Öffentliche Verkehrsmittel in Rom: An der Haltestelle

Die Römer nehmen es mit Humor und verunglimpfen doch glatt die Werbung der öffentlichen Verkehrsbetriebe ATAC:

„ATAC – Wir transportieren täglich 2 Millionen Menschen. Alle im selben Bus“

Öffentliche Verkehrsmittel in Rom sind so eine Sache für sich. Man wird es vielleicht nicht ganz so stark mitbekommen, wenn man nur ein paar Tage einen Städtetrip macht. Auffallen wird jedoch sicherlich eines: zu viele Menschen benutzen zu wenige Verkehrsmittel und: der Nachbar, unter dessen Achsel deine Nase hängt, wäscht sich nur gelegentlich.

In der Regel sind daher auch alle schlecht gelaunt und die sonst so heitere Stimmung der Italiener sinkt auf den Gefrierpunkt. Willkommen im alltäglichen Chaos! Lehne dich zurück und lasse dich entführen in die teils absurden Verkehrspobleme der Stadt, die sich einst der Kopf der Welt nannte.

Du willst also weiterlesen? Gut, hier kommt die ultimative Checkliste der vielen Probleme der öffentlichen Verkehrsmittel in Rom. Stelle dich drauf ein und nimm es wie alle: Mit Humor.

metro und öffentliche verkehrsmittel in rom

Zu viele Minigewerkschaften bedeuten viele Streiks

In der Regel wird mindestens ein Mal im Monat gestreikt. Von welcher der vielen verschiedenen Gewerkschaften, denen die Angestellten der ATAC (die Firma der Verkehrsbetriebe Rom) der Streik ausgeht, ist doch dann letztendlich auch schon egal.

Meist wird der Streik taktisch klug gelegt: Freitags, so hat man gleich ein verlängertes Wochenende. Bei der Fußball-EM 2016 war man tatsächlich einmal so dreist und streikte pünktlich zum Italienspiel.

 

Schrottreife Verkehrsmittel

Die Fahrzeuge sind oft hoffnungslos veraltet, und vor allem im Sommer (kein Scherz) kommt es manchmal vor, dass ein Bus abbrennt. Wenn Du die Metrolinie B nimmst, stell dich auf uralte Züge ein, die meist nicht klimatisiert sind. Das ist vor allem im Sommer hart.

Häufig gehen Bustüren nicht auf oder zu, das kommt aber auch manchmal in der Metro vor. Klamoroser Fall vor ein paar Monaten, als die Metro B mit einer offenen Tür gefahren ist.

Richtig, die ATAC ist hoffnungslos verschuldet. Die Sicherheit der Fahrgäste aufs Spiel zu setzen, in einer Stadt, die ein Vorbild für alle sein sollte, das ist aber hart. Vorgestern hat eine Gruppe Bürger zehntausende gesammelte Unterschriften ins Rathaus gebracht, die eine Privatisierung der Verkehrsbetriebe in Rom fordern. Wir sind gespannt.

Ungenügende Fahrpläne

Was Menschen aus organisierteren Teilen der Welt sofort auffällt: es gibt nahezu keine Fahrpläne wie man sie aus Deutschland kennt. Es steht oft lediglich geschrieben, wann die gewünschte Linie anfängt zu fahren und wann sie ihren Dienst beendet.

Das bedeutet wiederum: wenn es keine digitale Anzeige an der Haltestelle gibt, weiß man nicht, ob man gar eine Stunde oder doch nur eine Minute warten muss. Es gibt zwar eine App, die recht zuverlässig im Vorhersagen ist, aber wenn der Busfahrer das GPS nicht einschaltet, kann diese auch nichts tracken.

Unregelmäßige Abfahrtszeiten

Man will ja niemandem etwas unterstellen. Vor allem aber auf Buslinien der Peripherie kommt es oft vor, dass der Busfahrer auch mal zwanzig Minütchen länger quatscht, wenn es recht lustig an der Endhaltestelle mit den anderen Kollegen zugeht. Oder er geht eben gepflegt mal einen Kaffee trinken. Nach dem Kaffee folgt zwingend die Zigarette. Die Folge ist, dass manchmal gefühlte Stunden lang gar kein Bus kommt, und dann aber gleich drei in kurzen Abständen hintereinander.

Streiks und Demos aller Art

Rom ist die Hauptstadt Italiens. Dies bedingt, dass Streiks oder Demonstrationen vor allem hier stattfinden. Es ist natürlich das gute Recht eines jeden Bürgers, an Demos teilzunehmen, man sollte sich daher informieren und sich damit abfinden, dass es mal wieder länger dauert.

Das antike Stadtzentrum kann schlecht ausgebaut werden

Die Struktur der Stadt ist ebenfalls ein Faktor. Das antike Stadtzentrum, was sich nun einmal nicht so verändern lässt, wie es vielleicht nötig wäre, ist wie ein Flaschenhals. Alles will sich irgendwie hindurchquetschen, was vor allem zu Stoßzeiten dazu führt, dass man selbst für fünf Kilometer im schlechtesten Fall auch mal eine Stunde zur Arbeit einrechnen muss.

Daher glaube ich, dass es tatsächlich nahezu unmöglich wäre, einen Fahrplan mit Uhrzeiten einzuhalten. Dann kommt der Bau der Metrolinie C hinzu, der schon in vollem Gange war, als ich vor 11 Jahren zum ersten Mal nach Rom kam und selbstverständlich nicht so schnell fertig wird wie man es gerne hätte.

Regen oder Schnee

Ja meine Lieben, das Wetter ist hier auch so eine Sache. Es scheint, als ob die Römer selbst beim kleinsten bißchen Regen in Rom kein Auto fahren können. Seid daher sicher, dass ihr ein gutes Stück länger braucht, um von A nach B zu kommen, wenn der erste Tropfen Regen fällt. Wenn der Bus überhaupt kommt. Über den Schnee in Rom habe ich wiederum schon ausführlich berichtet. Du meinst, dass der Regen kaum die Metro beeinflussen kann? Da irrst Du dich. In Zeiten, in denen es mehrere Tage hintereinander und ordentlich heftig regnet, läuft so manche Metrostation voll Wasser und wird vorübergehend geschlossen.

Vorsicht Taschendiebe

Es gibt massenhaft minderjährige Taschendiebe vor allem auf den Linien, die häufig von Touristen benutzt werden. Angestellte des Verkehrsbetriebs sowie die Militärs können nichts dagegen tun, sagen sie. Die Diebe haben doch schließlich eine gültige Fahrkarte. Werden sie doch mit der Hand in der Tasche erwischt, werden sie mit aufs Polizeirevier genommen und aufgrund ihrer Minderjährigkeit ins Kinderheim verfrachtet. Dort bleiben sie ein paar Stunden und -schwupps- sind schon wieder in der Metro in ihrer Gruppe unterwegs.

Es heißt also: Aufpassen und besser nicht in die Metrowaggons quetschen, in die alle einsteigen. Leerere Abteile bevorzugen (ganz vorne oder ganz hinten).

Für den Fall, dass du trotz aller Vorsicht deine Geldbörse einmal loswerden solltest, rate ich dir dringend, vor der Rom-Reise eine Kopie des Personalausweises zu machen. Die Deutsche Botschaft stellt KEINE Ersatzausweise mehr aus, wenn man nicht eine Kopie des verlorenen Dokuments vorlegen kann. Das Dokument der italienischen Polizei, dass man Anzeige gegen Unbekannt erstattet hat, reicht nicht mehr aus.

 

Also, Hand auf die Tasche und noch mal kräftig Deo auflegen, App „Autobus Roma“ runterladen und zu volle Verkehrsmittel meiden. Nimm es mit Humor wie die Römer es tun, und viel Spaß an der Haltestelle!

 


»Hast Du schon Erfahrungen mit den Öffentlichen in Rom gemacht? Oder hast Du noch Fragen? Na dann hinterlasse doch einfach einen Kommentar«


 

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