Calcata – Mittelalterliche Phantasiewelt nahe Rom

Calcata aus der Ferne betrachtet

Um die einzigartige Atmosphäre des Bergdörfchens Calcata im Lazio zu verstehen, muss man sie einmal selbst erlebt haben. Abgelegen, circa 50 km von der Metropole Rom entfernt, findet sich der Besucher in einer phantastischen Welt voller Aussteiger, Künstler, Einheimischen und Einsiedlern wieder. Für Naturliebhaber, Hobbyfotografen, Mittelalterfans und Leute, die der Stadt für einen Moment entfliehen und die Zeit anhalten möchten, ist diese uralte, heute 900 Seelen zählende, Gemeinde sicher ein Geheimtipp.


Die Geschichte von Calcata
Sehenswürdigkeiten in Calcata Vecchia
Die gestohlene Heilige Vorhaut von Jesus
Calcatas Umgebung
Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?


Geschichte von Calcata

Das Dorf liegt in einer Gegend, in der zu Römerzeiten die Falisker und nicht wie man denken mag die Etrusker heimisch waren. Die erste namentliche Erwähnung des Örtchens in den Geschichtsbüchern ist allerdings erst später in einem Dokument des römischen Papstes Adriano I aus dem Jahre 772-795 erfolgt.

Geschichte, die in Calcata noch heute sichtbar ist, schrieb die adelige Familie der Anguillara. Von ihr sind die das Dorf umschließende wehrhafte Mauer mit dem einzigen Eingangstor zum Dorf, sowie das Schloss (Castello Baronale) aus dem 13. Jahrhundert erhalten. Die hohen Zinnen des Burgturms fallen dem Besucher schon von weither ins Auge.

Das Eingangstor von Calcata aus der Ferne

Das Tor der Stadtmauer ist übrigens noch heute der einzige Zugang zum Dorf, das von seinen Bewohnern heute Calcata Vecchia (altes Calcata) genannt wird. Direkt daran angeschlossen befindet sich das neuere Dorf, Calcata Nuova (neues Calcata).

In Calcata ist nie viel passiert, und trotz der Anwesenheit einer Adelsfamilie ist die Siedlung auch nie in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Welt gerückt – was vielleicht auch manchmal gar nicht so schlecht ist und so die Natur rundherum erhalten hat.

In den 1930er Jahren sollte das Dorf eigentlich wegen Felssturzgefahr abgerissen werden, was dann aber letztendlich doch nicht geschah. Der Tuffstein, auf welchen das Dorf direkt bis zu den Klippen und ein wenig darüber hinaus ragt, beunruhigte die damaligen Einwohner ab den 30ern dann trotzdem bis zu dem Maße hin, dass daneben ein das neue schon erwähnte Dorf, Calcata Nuova, entstand. Calcata Vecchia wurde somit für einige Zeit komplett zur Geisterstadt, weshalb es auch das „paese che muore“ (das sterbende Dorf) genannt wurde.

Ab den 1960ern entdeckten sodann Fremde das wie verzaubert scheinende alte Dorf für sich, und in Calcata Vecchia zog wieder Leben ein. Bis heute zieht das Dorf Menschen aus anderen Städten in Italien, aber auch aus anderen Ländern an, die dort fernab des Alltagsstresses versuchen, ihr Leben zu meistern. So wurde Calcata das Dorf der Intellektuellen, Künstler, Hippies, Aussteiger und all denen, die lieber fernab der großen Metropolen wohnen. Diese Atmosphäre bekommt man noch heute zu spüren, wenn man durch die gedrungenen Winkel und Gässchen des Dorfes läuft.

Sehenswürdigkeiten in Calcata Vecchia

Das Dorf ist nicht sehr groß, aber dafür schön wie in einem Märchen aus vergessenen Zeiten. Wo man auch hinsieht, man kann sich kaum satt sehen am Charme der alten Gemäuer und dem, was sie heutigen Einwohner daraus gemacht haben. Im Endeffekt ist das ganze Dorf eine einzige Sehenswürdigkeit.

Wer durch das Eingangstor des Dorfes kommt, fühlt sich gleich ein paar Jahrhunderte zurückversetzt. Ein paar Tauben, die in den alten Gemäuern wohnen, scheucht man mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf.

Blick auf den Schlossturm in Calcata

Kaum eingetreten, steht man auch schon fast auf dem kleinen, langgezogenen Marktplatz, von welchem eine Seite zum Großteil zum Sitzen einlädt. Der Besucher ist nicht nur Zuschauer, sondern hat auch selbst welche.

Versteckt in einem der Winkel in der Nähe der Kirche findet man einen vor ein paar Jahrzehnten hinzugezogenen Römer, dem es einst genau so ging wie einem selbst: er war verzaubert von dem schönen Dorf und zog kurzerhand dort ein. Nicht nur die Lebensgeschichte des Mannes sollte man hören, sondern das Highlight ist auch sein kleines, frei zugängliches Privatmuseum. Dort findet man Alltagsgegenstände aus den vergangenen Jahrhunderten Calcatas, hübsch aufbereitet und beschriftet. Der Höhepunkt des Besuches sind unzweifelhaft die Geschichten, die der ältere Herr darüber zu erzählen weiß. Es ist natürlich eine Frage der Ehre, ihm für seine Mühe auch eine kleine Spende zu hinterlassen.

privates Museum in Calcata

Eine weitere Sehenswürdigkeit, und sicherlich früher besser besuchtes Gebäude, ist die Kirche SS. (=Santissimo) Nome di Gesù (heiligster Name Jesus). Die Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist im 18. Jahrhundert restauriert worden. Sie ist sehr einfach gehalten, aber sympathisch, und beherbergt noch Kultgegenstände aus dem 16. Jahrhundert. Die Wandmalereien bilden, getreu dem Namen der Kirche, Geschichten aus dem Leben Jesu ab.

Die gestohlene heilige Vorhaut von Jesus

Im Jahre 1983 verschwand genau in dieser kleinen, unscheinbaren Kirche eine wichtige Reliquie, über welche man sich verschiedene Geschichten erzählt, wie sie denn eigentlich nach Calcata gekommen sein soll. Es soll sich um die Vorhaut Jesu gehandelt haben, die Maria nach dessen Beschneidung aufbewahrt haben soll. Bis zum Jahre 1983 konnte man also in Calcata immer am 1. Januar des Jahres einer Prozession beiwohnen, an deren Spitze die heilige Reliquie getragen wurde. Bis sie gestohlen wurde – oder verschwand. Wie dieser Verlust letztendlich passiert ist, weiß bis heute niemand. Manch ein Einwohner Calcatas verdächtigt den Vatikan höchstpersönlich, sie gestohlen zu haben. Der Grund? Mittlerweile schäme sich selbst der Vatikan, eine Vorhaut anzubeten.

Calcatas Umgebung

Um Calcata herum findet man schlussendlich den riesigen Naturpark Valle del Treja. Dieser birgt nicht nur Bäume und den sich am Fuße von Calcata windenden Fluß Treja, sondern beherbergt auch archäologisch interessante Reste alter Gebäude der Falisker. Außerdem gibt es eine große ständige Kunstausstellung im Wald, dessen Kunstwerke ausschließlich aus natürlichen Materialien gemacht sind. Sie nennt sich Opera Bosco Museo di Arte nella Natura. Hier der Link zur Ausstellung.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?

Wer die absolute Ruhe sucht, sollte unter der Woche nach Calcata fahren (nur mit dem Auto erreichbar) – jedoch sollte man sich eine Wegzehrung einpacken, da die kleinen Restaurants und Bars dann meist geschlossen sind.

Anders sieht es schon am Wochenende aus: hier sieht man auch einige Besucher nebst einem selbst das Dorf erkunden. Restaurants, Bars, Ateliers und andere Lädchen haben sind dann auch geöffnet und laden zum Stöbern, Schlemmen und Schauen ein. Apropos, es schlemmt sich wirklich gut in Calcata! Das Waldgebiet ist natürlich reich an Wild, von daher wird man oft auch das ein oder andere Wildschweinragout und andere Delikatessen auf der Speisekarte finden. Ein kleiner Tipp noch zum Schluss: besucht die Rock-Bar in Calcata Vecchia: sie hat eine winzig kleine private Terrasse (max. 6 Personen, wenn man sich zusammenquetscht). Die Aussicht von dort ist das Geld für den Verzehr von ein paar Getränken allemal wert!

Tipp: Wenn Du italienische Gebirge magst, kann ich Dir auch das Örtchen Esperia empfehlen.


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Calcata mittelalterliches Dorf bei Rom

 

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