Chiaia di Luna – Ponzas magischer, verbotener Strand

chiaia di luna auf ponza

Chiaia di Luna, auf Deutsch „Mondstrand“, hat schon eine lange Geschichte hinter sich: erst von den Griechen, dann von den Römern als natürlicher Hafen benutzt, mauserte sich der Strand ab den 50er Jahren zu DEM Traumstrand schlechthin, der aus aller Welt Touristen magisch anzog. Er ist heute noch eine der schönsten Attraktionen der Insel Ponza. Das Bad kann man aber nur noch vor dem Strand genießen, ohne ihn jedoch zu betreten.

Strand Chiaia di Luna auf Ponza

Was macht Chiaia di Luna so besonders?

Der circa 500 Meter lange Sandstrand, umschlossen von seiner ovalen über 100 Meter hohen Felswand, ist heute nur noch mit dem Boot erreichbar. Zu Fuß gelangte man auch von der Insel zur Chiaia di Luna: durch einen suggestiven, antiken und 168 Meter langen Römertunnel. Trat man dort ein, konnte man nach und nach das Meer immer intensiver riechen. Die Vorfreude auf den Strand stieg mit jedem Schritt. Der Tunnel ist bis heute intakt – ein Meisterwerk römischer Baukunst eben.

Die seltsamen Fenster über dem Strand

Antike Spuren gibt es noch mehr: der aufmerksame Betrachter der Felswand wird feststellen, dass sich im oberen, linken Bereich drei eigenartige „Fenster“ auftun. Diese werden von den Ponzesen auch entsprechend „finestroni“ genannt. Hierbei handelt es sich um – so sagen die Leute – etruskische Gräber.

Chiaia di Luna in Ponza vom Boot aus

Blick auf Chiaia di Luna vom Boot aus. Auf der Erhebung über den Felsen kann man die Fenster der Gräber erkennen.

Theoretisch könnte man auch dort von der Straße (die „Panoramica“) darüber hineingelangen, aber dann müsste man sich schon todesmutig an dem schmalen und bröckeligen Felsenabsatz entlang hangeln. Sprich, ich kenne niemanden der es jemals versucht hätte, und es ist vermutlich auch gut so.

Was uns bleibt, ist das Staunen über Jahrtausende alte Hinterlassenschaften unserer Vorfahren und das Nachsinnen über den Lauf der Geschichte.

 

Am Halbmondstrand unter dem Nachthimmel

Besonders an Chiaia di Luna sind auch die Erinnerungen der ponzesischen Generationen und späterer Touristen.

Am Strand von Chiaia di Luna beschränkte man sich aber nicht nur auf das Badevergnügen am Tag. Vor allem feierte die jüngere Generation dort auch ausgiebig – vorwiegend im Urlaubsmonat August – bis in die Nacht hinein und kochte vorher reichlich für alle in den Grotten der Bucht.„Franchino“ hieß dieses improvisierte Restaurant, das sich nachts in eine Disco verwandelte. Der ein oder andere junge Ponzese wird in dieser geheimnisvollen Bucht auch schon die ein oder andere Touristin kennen- und lieben gelernt haben. In der Tat: Ponzesen, die heute mindestens 30 Jahre alt sind, schwärmen heute noch von den damaligen sagenumwobenen Festen unter freiem Nachthimmel in Chiaia di Luna, an denen es ziemlich heiß hergegangen sein soll… Diese Zeiten sind bis auf Weiteres vorbei.

Warum wurde Chiaia di Luna geschlossen?

Der Grund für die Schließung liegt in der Felswand von Chiaia di Luna selbst: Mehr als 2/3 des Strands ist umschlossen von weißem, bröckeligem Felsen, der nur auf dem letzten Drittel in harten vulkanischen Tuffstein übergeht. Schon damals bröckelte öfters etwas herunter, doch vor 15 Jahren geschah dann das, was irgendwann leider vorherzusehen war: ein Mädchen aus Lucca wurde von einem sich ablösenden Felsbrocken erschlagen.

Das tragische Ende des Mädchens bedeutet bis heute auch das Ende des Strandbesuchs in der Chiaia di Luna. Trotz Investitionen in Millionenhöhe, die der Absicherung der Felswand dienen sollten, ist auch nach 15 Jahren noch keine Wiedereröffnung in Sicht.

Wahr ist wohl, dass die 2/3 des Strandes, die von der weicheren bröckeligen Felswand umringt ist, vermutlich nie wieder betreten werden können. Medien und Einheimische berichten, dass es nicht möglich ist, diese Art von weichem Gestein abzusichern.

Das andere Drittel des Strandes ist theoretisch schon fertig mit Eisengittern abgesichert, aber hierzu addieren sich die berühmten italienischen bürokratischen Hürden, die auch die Öffnung des gesicherten Teils verhindern. Weder Proteste noch Unterschriftensammlungen von Einwohnern und Touristen konnten bisher etwas bewirken.

Heute, nach 15 Jahren Bemühungen, sind die Ponzesen schlichtweg resigniert. Sehr schade, aber wer Italien schon etwas länger kennt, versteht sie auch ein wenig. Der Verlust auch dieses Abschnitts ist nicht nur auf sentimentaler Ebene für die Insel schmerzhaft. Nein, er bedeutet auch enorme Einbußen im Tourismussektor.

Wie man trotzdem Chiaia di Luna bestaunen kann

Nun, es gibt zwei Möglichkeiten, die einzigartige Faszination des Strands heute doch noch zu genießen. Erstens, man nähert sich der Chiaia di Luna mit dem Boot, also vom Seeweg aus. So kann man auch heute noch in deren wunderbar kristallinem, türkisem Wasser an diesem Abschnitt Ponzas baden.

Zweitens, man besucht die Panoramaterrasse direkt darüber an der Straße und schaut von oben. Wer allerdings den perfekten Ausblick haben möchte, der sollte sich im Hotel daneben einbuchen oder abends auf dessen weitläufigen Terrassen ein paar Drinks genießen und ein bißchen tanzen. Der ein oder andere Einheimische hat dort sicher noch ein paar persönliche, ferne Erinnerungen von der Chiaia di Luna zu berichten.

 

Wie Paulchen Panther schon sagte: „Heute ist nicht aller Tage, ich komme wieder, keine Frage.„. Nun, hoffen wir, dass eines Tages unsere Chiaia di Luna doch noch wieder eröffnet werden kann. Bis dahin genießen wir den Ausblick und das spektakuläre Wasser vom Boot aus.

 

Mehr Info zur Anreise nach Ponza oder einen ausführlichen persönlichen Reisebericht Ponza findest Du natürlich auch auf Italianisiert.de!


»Hast Du noch andere Erinnerungen an Chiaia di Luna, die Du gerne mit uns teilen möchtest? Oder kennst Du ähnliche Strände in Italien?«


 

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