Der Kleinkrieg der Ponzesen

Wie nun schon seit ein paar Jahren bin ich auch dieses Jahr für eine Woche mit meinem Freund nach Ponza an „mammas“ Herd gefahren. Mit der Zeit bekommt man so einiges mit, für das man vorher blind war. Wie auch dieses, was ich so frech finde, dass ich es unbedingt bloggen wollte.

Ferienwohnungsvermieter aus Le Forna bei Touristeninfo benachteiligt?

Der italienische Teil meiner „Familie“ wohnt auf der Insel Ponza, richtig. Es gibt jedoch zwei Ortschaften. Dort wo der große Hafen ist, ist auch die gleichnamige Ortschaft Ponza. Es begibt sich nun aber so, dass wenn man die so gut wie einzige Straße bis zum anderen Ende der Insel entlang fährt, auch noch zu einer anderen Ortschaft, nämlich Le Forna, kommt. Der Verdacht, erzählte man mir, war schon immer da: Ponza präsentiert sich gegenüber den Touristen, die sich auf der vorgesehenen Seite im Internet informieren oder die Touristeninfo anrufen so, als wäre Ponza die einzige Ortschaft. Ein Einwohner machte die Probe aufs Exempel und wurde am Telefon negativ überrascht. Er gab sich als interessierter Urlauber aus und erkundigte sich nach Hotels und Restaurants. Sämtliche ihm unterbreiteten Lokalitäten lagen ausschließlich in der Ortschaft Ponza. Als hätte Le Forna keine Angebote zur Auswahl. Frechheit.

Ebenso wurde mir berichtet, dass manche älteren Ponzesen sogar mit stolz geschwellter Brust behaupten, dass sie schon seit zig Jahren nicht mehr in Le Forna waren 😉

 

Le Forna und Ponza wie Villariba und Villabajo

Aber warum sind die beiden Ortschaften sich eigentlich nicht so ganz grün? Nun, das ist wie überall zwischen konkurrierenden Ortschaften. Fragt einmal einen Frankfurter, ob er gerne in Offenbach wohnen würde…

In diesem Fall erklären die ortsansässigen Menschen diese unterschwellige Feindschaft damit, dass in Ponza traditionell eher Handelsleute ansässig sind und Le Forna früher fast ausschließlich aus Fischern bestand. Sprich, die Menschen sind einfach zu unterschiedlich. Dein Beruf macht dich letztendlich immer zu dem, was du bist. Heute gibt es fast keine Fischer mehr in Le Forna („dank“ EU), aber die „Traditionsfeindschaft“ bleibt bestehen und man wirft sich gegenseitig Steine in den Weg, wo es nur geht.

Zwischen Ponza und Le Forna fiel mir in diesem Jahr zum ersten Mal ein drastischer Unterschied auf. Le Forna hat im Grunde genommen mindestens genauso gute Restaurants, Hotels und niedliche Ferienwohnungen. Und noch dazu – was eigentlich viel wichtiger ist – die besten und schönsten Strände der ganzen Insel und die lockersten Bars!

Hier findet man Leute wie dich und mich, die, die nicht zur „Elite“ gehören, dafür aber den Luxus der schöneren und unterhaltsameren Lokalitäten genießen. Menschen die einen schräg ansehen, weil man keine Armani-Handtasche und Lippen wie ein Rettungsboot hat, findet man hier vergebens. Dafür ehrliche und spaßige Leute. Wenn das mal nichts ist! Und sie heißen auch noch fast alle Silverio! Das ist doch leicht zu merken… (San Silverio ist der Schutzpatron der Insel und der Fischer).

Ja, ganz Recht, ich mache hiermit offiziell Werbung, damit die Touristen auch nach Le Forna kommen. Versucht abends einmal in die Bar Marlin am Kirchenplatz zu kommen, wo spontane Livesessions mit der Gitarre seitens der Barkeeper keine Seltenheit sind. Auch probieren sollte man die Caipiroska alle More in der Bar gleich gegenüber. Für diesen Drink geht der liebe Barkeeper Alex die Brombeeren eigenhändig tagsüber pflücken. Ein echtes lokales Produkt also.

 

Ponzas beste Strände liegen in Le Forna

Die Strände, vor allem die „piscine“ (=“Schwimmbäder“), „la caletta„, „cala dell’acqua“ & Co. (ihr seht, die Auswahl ist groß) sind eine angenehme Abwechslung zum überfüllten „Frontone“ Strand.

Mehr zu den Stränden in einem gesonderten Beitrag.

 

Also, nicht vergessen: Es gibt auch eine Welt jenseits der Hafenpromenade in Ponza, die man mit Sicherheit schätzen und lieben lernt. Wenn die Ponzesen versuchen, euch in Ponza „festzuhalten“, einfach in den Bus steigen und Le Forna einmal erkunden.

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