Esperia – Ausflug in die Berge und drumherum

Esperia – der Name klingt für mich nach dem spanischen „espero“ oder „esperanza“ für „ich hoffe“ oder „die Hoffnung“. Was auch immer die Intention für die Namensgebung war, es handelt sich hierbei um eine Gemeinde mit ein paar idyllischen Bergdörfchen. Die Bergkette auf der sie sich befinden trägt den Namen „Aurunci“ und ist die Einzige im (gerade noch so am südlichsten Ende auslaufenden) Gebiet Lazio. Das Faszinierende an den Aurunci ist: sie schauen direkt aufs Meer hinaus. 

Von Formia aus braucht man ca. 20 Minuten mit dem Auto bei gemütlicher Fahrt. Wenn Du auch gerade in der Gegend bist, nutze die Gelegenheit für einen wunderschönen Ausblick. Bleibt noch ein wenig Zeit übrig und Du bist ein an Geschichte interessierter Mensch, mache einen Abstecher nach Pontecorvo, das vom zweiten Weltkrieg tragisch gezeichnete Städtchen.

Esperia Superiore oder Rocca Guglielma – Aussicht auf die Aurunci

Die Hauptattraktion in diesem Bericht ist Rocca Guglielma, bekannt als „Esperia Superiore„, die nach der gleichnamigen darüber befindlichen Burgruine benannt ist. Bis zu dem Dörfchen kommt man noch recht angenehm mit dem Auto (wenn es denn ein Kleinwagen ist), ansonsten bekommt man arge Probleme mit den Wendemanövern wenn man sich, wie wir, verfährt. Zum Glück darf die Piazza in Esperia Superiore noch befahren werden, in deren Gässchen wenden ist schwierig bis utopisch.

Blick vom Dorf Rocca Guglielmo auf die gleichnamige Burgruine Rocca Guglielmo

Da Italiener bekanntlich der bequemeren Hälfte der Menschheit angehören, beschloss man während unserem Ausflug zu meinem Leidwesen, auch die kleine Bergstraße hoch zur „wirklichen“ Rocca Guglielma (Guglielma-Burg) mit dem Auto zu meistern.

Die, wenn überhaupt, gerade einmal als einspurig zu bezeichnende Straße lässt dem Autofahrer wegen ihren vielen scharfen Kurven nur eine Wahl: hupen, wenn man um die Kurve fahren möchte, um sicherzugehen, dass man nicht frontal mit einem anderen Auto zusammenstößt. Für Leute mit Höhenangst genau das Richtige, denn es geht auch noch steil bergab neben der Straße.

Dennoch: nachdem wir endlich oben angelangt waren, wurden wir mit einer tollen Aussicht belohnt, inklusive Ruinenromantik.

Auf dem Gipfel und Aussichtspunkt befinden sich nämlich auch die Reste der Rocca Guglielma, einer im 11. Jahrhundert vom normannischen Ritter Guglielmo da Glossavilla erbaute Burg. Heute ist nicht mehr viel davon übrig, einst hatte sie große Bedeutung in dieser Gegend. Lediglich ihr dazugehörendes Dörfchen – Esperia Superiore genannt, mit dem eigentlichen gleichen Namen wie die Burg „Rocca Guglielma“ – ist heute noch lebendig.

Nun aber zur Aussichtsplattform, die sich 10 Meter neben der Burgruine Rocca Guglielma befindet. Ich lasse einfach mal die Bilder sprechen, statt viele Worte darüber zu verlieren, was man eigentlich entdecken kann:

 

Pontecorvo – Trauriges Zeugnis aus dem Zweiten Weltkrieg

Wenn man schon einmal in der Gegend ist, kann man sich auch noch andere interessante Orte ansehen. Das Städtchen, das die zweite Etappe unserer kleinen Rundfahrt verkörperte, ist Pontecorvo. In einem Tal am Fluss Liri gelegen sollte man meinen, dass hier nie etwas Spektakuläres passiert sein kann. Da irrt man sich aber.

das Städtchen Pontecorvo, Zeugin einer traurigen Vergangenheit.

Leider hat die Geschichte der kleinen Stadt wieder einmal etwas mit den Deutschen zu tun, denen es seinen traurigen oder heroischen Ruhm (je nachdem wie man es sieht) „verdankt“.

Das idyllische Aussehen der anderen Dörfchen im Umkreis sucht man in Pontecorvo vergebens – fast alles wurde im zweiten Weltkrieg zerstört. Warum?

Hier befand sich (tragischerweise für die Bewohner Montecorvos) die so genannte „Linie Hitler“, die von den Deutschen nach dem Verlust der weiter südlich in der Bergkette liegenden Linie Gustav (die Alliierten hatten sie irgendwann erobert) um die strategisch wichtige Brücke in Pontecorvo errichtet wurde.

Zeugnis aus den Kämpfen um die Linie „Hitler“, die leider direkt auf Montecorvo lag.

Was das für die Bewohner des Städtchens bedeutete, ist klar: die Stadt wurde von der Luftwaffe der Alliierten dem Erdboden gleichgemacht. Viele Denkmäler und Fotos erinnern an die wohl schlimmsten Tage in der Geschichte von Montecorvo.

Kirche Pontecorvo mit Gedenktafel für die gefallenen kanadischen Soldaten.

Schlusswort

Abschließend muss ich sagen: Ruhe, Natur, Wald und Wiesen fehlen einem manchmal sehr in der Großstadt Rom. Auch wenn es die großen Parks gibt, es ist nicht das Gleiche. Wir kommen sicherlich wieder, und diesmal möchte ich „meine“ Italiener wandern sehen. 😉 Und wenn Du Natur und mittelalterliche Dörfer magst, schau dir doch auch mal den Bericht über Calcata in der Nähe von Rom an, das immer eine Reise wert ist.

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