Freilichtmuseum Tiberufer – Brücken und Sonstiges entlang des Radweges

Heute bin ich wie so oft wieder einfach losgelaufen, um zu sehen wohin mich meine Beine heute tragen. Deren Wahl ist auf den Radweg am Tiberufer in Rom gefallen, wo ich auch immer joggen gehe, wenn es Wetter und Zeit zulassen. Hierzu eine kleine Geschichte und ein kleiner Führer für die Brücken in Rom.

 

Ein neuer Abschnitt

Wo bis vor kurzem noch eine Treppe fast direkt vor unserem Haus war, um zum Tiberufer zu gelangen, ist heute nichts mehr. Dafür wurden in den letzten Monaten einige Bauarbeiten in Angriff genommen, um den Fahrradweg zu erweitern und eine neue Fußgängerbrücke, die „Ponte della Scienza“ zu bauen. Diese Brücke führt nun nicht nur mit einer Treppe hinunter ans Ufer, sondern auch logischerweise ans andere Flussufer – direkt vors Gazometro, von dessen Faszination und Feiertauglichkeit ich schon berichtete.

Der Fahrradweg ist ein Stückchen erweitert worden und dessen Abschnitt, der direkt am Tiberufer entlangführt, fängt nun seit der Eröffnung des Abschnitts im August am Ende von Via Enrico Fermi an. Wenn man von dort seinen Spaziergang/Fahrradtour oder das Jogging beginnt, fühlt man sich wie an einem Ort in der freien Natur und nicht in einer Metropole. Haushoch wächst das Schilf dort und lässt ab und an die am anderen Ufer befindlichen alten Industrietürme, Kräne und das Gazometro durchscheinen. Ab den Pfeilern der neuen Fußgängerbrücke hört die „wilde Natur“ auf und mäßigt sich ein wenig. Teils unter immer noch vielen Bäumen geht die Reise weiter.

Die Reihenfolge der Brücken in Rom: Über sieben Brücken musst du gehn…

… oder eben auch darunter hindurch. Neben der neuen Ponte della Scienza kommt man (bis zum Castel St. Angelo gerechnet!) unter so einigen Brücken entlang. Die meisten davon sind wie so vieles in Rom schon durchaus antik und, wunderschön und daher absolut sehenswert. Diese wären:

Ponte dell’Industria (=Brücke der Industrie). Allerdings wird diese Brücke von allen schlicht „ponte di ferro„, also Eisenbrücke genannt. Direkt dahinter kommt eine andere Brücke für die Züge, denn der Bahnhof Trastevere ist ganz in der Nähe.

Ponte Testaccio. Testaccio ist ein altes und immer noch sehr „traditionelles“ Viertel, in dem sich unter anderem auch das Macro, eines der zwei großen römischen Museen für moderne Kunst in einem ehemaligen Schlachthof befindet. Schön ist inmitten von Testaccio ein fest eingerichteter Markt mit unzähligen Ständen, an dem man frisches Fleisch, Gemüse usw. zum großen Teil direkt von den Bauern kaufen kann.

Ponte Sublicio. Ein gutes Stück entfernt vom Ponte Testaccio kommt dann Ponte Sublicio. Sublicio bedeutet laut Wikipedia soviel wie „hölzern“ oder „aus Holzplatten“. Diese Brücke scheint antik, ist aber in 1918 sozusagen wieder aufgebaut worden. An der gleichen Stelle hatte zuallererst der König Anco Marzio, ungefähr 600 Jahre vor Christus, eine Brücke gebaut. Sie wurde im Laufe der Zeit häufig restauriert. Nun steht wie gesagt eine neue Konstruktion am gleichen Ort, der man aber den gleichen Namen gegeben hat.

Ponte Palatino. Diese nicht sonderlich schöne Konstruktion für den römischen Straßenverkehr habe ich denke ich nicht fotografiert und in die Galerie gestellt. Ungefähr ab Ponte Palatino findet man in den Sommermonaten Bars, Restaurants, Verkaufsstände und einiges mehr, die abends ihren Betrieb aufnehmen. Die Besonderheit für mich beim Joggen ist: wenn ich unter dieser Brücke hindurch bin, erwartet mich der atemberaubende Anblick des kleinen „Wasserfalls“ direkt vor der Tiber-Insel (Isola Tiberina). Das ist auch meist der Wendepunkt, an dem ich wieder zurück nach Hause laufe. Die Brücke wurde ca. um 1890 herum erbaut, als Ersatz für die alte Ponte Emilio, deren römische Überreste man heute noch direkt daneben im Wasser bewundern kann.

Ponte Cestio. Diese Brücke führt zur Tiberinsel. Um ca. 44 vor Christus wurde dieses Schmuckstück gebaut. Heute kann man davon noch den Mittelbogen bestaunen, der Rest wurde im Laufe der Jahre immer wieder rekonstruiert, sofern ich die Quellen richtig interpretiert habe.

Ponte Garibaldi. Auch hier rauscht der Straßenverkehr hinüber, sowie auch die Straßenbahnlinie 8. Auch diese ist keine antike Konstruktion, sondern wurde um 1880 herum gebaut, um die Entwicklung und Besiedelung der anderen Tiberseite (Trastevere) zu begünstigen. Hier kann man hinaufsteigen und kommt in die Piazza Giuseppe Gioachino Belli, wo sich eine Statue desselben befindet. Belli war ein römischer Dichter, der seine (meist nicht ganz jugendfreien) Werke in Dialekt schrieb. Wer in Trastevere vorbeischauen möchte, hat beim alten Belli einen guten Ausgangspunkt.

Ponte Sisto. Ein Juwel unter den römischen Brücken. An dieser Stelle befand sich einmal eine Brücke aus der Römerzeit. Papst Sixtus IV konstruierte hier eine neue Brücke von 1473 bis 1479. Schön hierbei ist nicht nur der Bau an sich, sondern auch die Tatsache, dass es sich heute um eine reine Fußgängerbrücke handelt. Wer hier die Treppe hochgeht, kommt zu Piazza Trilussa, auf der sich eine nette Bar namens Freni e Frizioni mit ausgiebigem Buffet befindet, falls man dort zur Aperitivozeit aufschlägt. Essen muss man allerdings im stehen oder sitzend auf der Mauer der Piazza, die Tische sind fast immer reserviert für Feste aller Art.

Ponte Mazzini. Anfang 1900 erbaut. Mazzini heißt diese Brücke zu Ehren von Giuseppe Mazzini – ein Mann, der sich für die Einheit Italiens einsetzte schon bevor Garibaldi auf die gleiche Idee kam.

Ponte Principe Amedeo Savoia Aosta. Brücke aus dem Jahr 1942. Wahrscheinlich wegen des unendlich langen Namens wird sie auch schlicht „ponte PASA“ genannt.

Ponte Vittorio Emanuele II. Diese Brücke ist 1911 nach über 20 Jahren Bauzeit eingeweiht worden und führt vom viel befahrenen Corso Vittorio Emanuele II z.B. auf die Via della Conciliazione, die Straße zwischen Vatikan und Castel St. Angelo.

Ponte St. Angelo. Die wohl mit berühmteste Brücke in Rom, die direkt auf das Castel di St. Angelo hinführt. Sie hatte im Laufe der Zeit schon viele andere Namen, unter anderem Ponte Elio. Wie einige wissen werden, ist das Castel St. Angelo nicht immer eine Fluchtburg für die Päpste gewesen, sondern ist eigentlich das Mausoleum des römischen Kaisers Hadrian. Logischerweise wurde sie also von Kaiser Hadrian erbaut, Sie steht seit dem Jahr 134 n. Chr.. Die Engelsfiguren kamen natürlich erst später dorthin, was man wohl nicht extra erwähnen muss.

Weiter bin ich heute nicht gekommen, mittlerweile regnet es. Als bildliche Orientierung gibt es die hinzugefügte Galerie. Viel Spaß!

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