Zimmersuche in Italien: Meine Abenteuer

Wie fast alles auf dem Stiefel ist auch die Zimmersuche in Italien eine Spur anstrengender als in nördlicheren Gefilden. Nachdem ich in Mailand vor einem Jahr nur eine Woche Zeit für die Zimmersuche hatte, konnte ich die jetzige in Rom in vollen Zügen genießen. Einen gewissen Unterhaltungswert hat es zugegebenermaßen.

Wie Du ein Zimmer in Italien findest

Die Rezeptur zu einer gelungenen Suche setzt sich aus wenigen Zutaten zusammen.

  1. Stelle jeweils eine Annonce auf Easystanza, Bakeca und Subito und veranlasse eine weitere, ebenfalls kostenlose, in die zweimal wöchentlich erscheinende Porta Portese (wenn Du in Rom suchst).
  2. Um mehr Sympathiepunkte und Vertrauen bei der einheimischen Bevölkerung zu gewinnen und Deine Chancen zu erhöhen, lade ein Bild von Dir in die Internetannoncen. Bist du dann a) weiblich und b) hast die natürliche Grundausstattung Ohren, Augen, Nase, Mund, stelle Dich darauf ein, dass sich so manche vor Testosteron strotzende Email in Dein Postfach verirrt. Bei c) männlich würde ich empfehlen, dass man schreibt, man suche eine Wohnung mit “gayfriendly” Mitbewohnern. Andernfalls vertraut Dir niemand ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft an, denn italienische Jungs können einen Putzlappen meist nicht mal richtig in der Hand halten.

Hier der Text meiner Onlineanzeige:“Ciao sono Sabine, una ragazza di 29 anni, lavoratrice. Sto cercando una stanza da giugno con contratto di affitto registrato (!) e internet fisso. Mi piacerebbe avere dei coinquilini socievoli che non si chiudono sempre nella propria stanza. Sono tedesca, ma parlo benissimo italiano.”.

Übersetzt also: “Hallo, ich bin Sabine, bin 29 Jahre alt, gehöre zur arbeitenden Bevölkerung. Ich suche ein Zimmer ab Juni mit registriertem (!) Mietvertrag und Internetflatrate. Ich würde mir kontaktfreudige Mitbewohner wünschen, die sich nicht immer in ihrem Zimmer einschließen. Ich bin Deutsche, aber spreche sehr gut Italienisch.”

Und schon sind wir bei Punkt drei angekommen:

3. Warte nie auf Antworten. Rufe selbst an, wenn Dich etwas interessiert, denn das was bei Dir ankommt, stammt meist von verzweifelten Personen. Im Grunde hast Du Deine Onlineanzeigen sozusagen nur als Visitenkarte und zu Deinem eigenen Vergnügen.Wie groß das Vergnügen ist? Lies und schmunzle.

 

Die lustigsten Typen von Menschen, die Zimmer vermieten

Die Leiden der mittfünfziger Bunkerbesitzer

Das erste Zimmer, das ich mir auf einen Anruf eines Herrn aus den Mittfünfzigern anschaute, gab mir schon so eine Idee, weshalb die Leute sich die Mühe machen, auf eine Anzeige zu antworten. Sie haben derart miese Zimmer zu vergeben, dass man Alcatraz im Vergleich dazu heimelig nennen könnte.

Zur Besichtigung des Zimmers nahm ich meinen Freund mit, der genauso über die Dreistigkeit mancher Leute staunte. Man kam in ein Zimmer hinein, in dem ein Bett zu eineinhalb Plätzen mit einer alten Matratze stand. Es stützte an einer Seite den windschiefen Kleiderschrank aus Napoleons Zeiten, der mit lustigen, aber verblassten Sammelaufklebern für Kinder verpappscht war. Vermutlich auch diese als Stütze.

Durch das Vorhandensein eines kleinen Fensters nehmen sich die Vermieter das Recht heraus, das Zimmer als “luminosa” (also “lichtdurchflutet”), zu beschreiben. In gewisser Weise haben sie Recht, denn es gibt auch Zimmer ganz ohne Fenster.

Als wir nach der Möblierung fragten, bekamen wir einen Fingerzeig in Richtung Flur, der Ähnlichkeit mit deutschen Bürgersteigen hat, zu Zeiten als es noch die Sperrmülltage gab. “Du kannst Dir dort das was Du brauchst heraussuchen”, pries der Vermieter an und strahlte dabei auch noch, als hätte er damit gerade eine großzügige Geste vollbracht.

Die Mitbewohner waren nicht da, was auch ein sehr schlechtes Zeichen ist, und es wäre eine Beleidigung für die verborgenen Schätze, die man früher auf dem Sperrmüll gefunden hat, würde man die Küche mit diesen Worten beschreiben.

Er war dann ganz perplex, als ich sagte, ich möchte das Zimmer nicht nehmen. Das ganze, um allen eine Idee von römischen Preisen zu geben, für 400 Euro kalt im Monat für eine schrottreife Bude.

Später fand ich die Ursache, warum der Mann nicht verstehen konnte, dass mich das Zimmer nicht interessiert: Wahrnehmungsstörungen. Er rief mich nämlich im Laufe der nächsten zwei Wochen noch zwei Mal an. Jedes Mal von einer anderen Nummer.

Der zweite Anruf war in der Tat sehr interessant, da erkannte ich seine Stimme noch nicht. Ich erzählte ein bißchen davon, dass mein Freund ganz in der Nähe in der Via Roberto Malatesta wohnt und es mir daher ganz Recht sei, in das Viertel zu ziehen.

Er meinte dann: “na was für ein Zufall, letztens war schon einmal eine Deutsche da, deren Freund auch in der Malatesta wohnt. Hübsches Pärchen. Sie sind nicht zufällig blond, groß und schlank mit einem Freund mit sportlicher Figur?”. Ich verneinte vehement, da ich alles andere als blond und durch das gute Essen in Italien auch nicht mehr so gertenschlank bin. Und mein Freund und sportlich… naja, früher war er mal Torwart in der Jugendfußballmannschaft. Ich redete mir ein, dass der Vermieter das unmöglich wissen kann… 😉

Er beschrieb mir daraufhin das Zimmer als wunderschön, lichtdurchflutet und die Wohnung als “renoviert”, daher schöpfte ich keinen Verdacht. Dann nannte er mir die Adresse. In der Traumwohnung bin ich dann wohl doch schon gewesen und sagte ab.

Eine Woche später rief mich der lustige Herr mit einem schwarzen Loch im Kopf erneut an. Es war eine harte Überzeugungsarbeit, ihm klar zu machen, dass ich schon da war. Und nein, ich bin nicht interessiert.

Man hat dann aber doch auch nie den Mut, solchen Leuten mal zu sagen, dass sie die Vorkriegsmöblierung vielleicht mal austauschen und die Leute in den anderen Zimmern ihre neuen Mitbewohner aussuchen lassen sollten.

Grauschopf mit Gremlin

Der vorige Herr war eine amüsante Ausnahme, aber es gibt durchaus auch Anrufer, die man kategorisieren kann, da mich drei desselben Schlags angerufen haben: ältere Damen mit Handtaschenhund.

Diese liebe ich besonders, denn sie hören einem nicht zu. Es bleibt nur auflegen. Immer wohnen sie am berühmten Hinterteil der Welt und wollen einem den Bummelzug, der einmal morgens, mittags und abends dorthin fährt, als gute Verkehrsanbindung verkaufen.

Und sie haben stets einen kleinen Kläffer. Wir alle kennen diesen Typ Hund. Und nein, er ist weder ruhig (das sind die größten Straßenterroristen) noch beißunfreudig.

Die Damen reden und reden und reden und es stellt sich heraus, dass sie deine Anzeige zwar gelesen haben, aber deren Inhalt komplett niederreden:

– “Ja ich weiß, Sie möchten Internet haben. Da kann man ja vielleicht mal drüber reden, ob doch so ein Anschluss angeschafft wird”.

– “Danke für Ihren Anruf, aber ich stelle mir das irgendwie anders vor”

– “Ja ich weiß, Sie möchten etwas Zentrales, aber schauen Sie mal, hier ist es so schön ruhig”

– “Nein danke, ich brauche gute Verkehrsanbindungen”

– “Na schauen Sie sich doch erst einmal das Zimmer an. Aaaaaalso ich erkläre Ihnen, wie Sie zu uns finden…”

– ein unterbrechendes “nein, danke, ich bin nicht interessiert” meinerseits

– “aaaalso, da nehmen Sie zuerst die Metro. Von Piramide aus fährt dann der Zug zu Culandia ab. Dort angekommen…”

– “Nein, danke!”

– “Sie lassen mich ja gar nicht ausreden! Also und dann nehmen Sie den Bus nach..”

– “Nein, danke!!”

Auflegen, sofort. Bevor sie wieder Luft holt.

Telefonspammer

Der zweite und Typ Anrufer ist der mieseste. Sie haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, alles und jeden mit ihren absurden Angeboten zu nerven. Sie lesen den Anzeigentext nicht, sondern schreiben sich einfach nur Deine Telefonnummer auf und rufen an.

Egal was Du suchst, bei ihnen findest Du es nicht.

Meist ist es ein “posto letto”, also ein Schlafplatz, was sie Dir anbieten. Das ist für Studenten und sonstige unglückliche Leute ohne Geld gedacht, die ihr Zimmer dann mit einer fremden Person teilen müssen.

Wenn Du nach dem hundersten Anruf dieser Art irgendwann patzig wirst und sagst, sie sollen doch gefälligst mal lernen, Anzeigen zu lesen bevor sie anrufen, beschweren sie sich auch noch, dass Du so unfreundlich bist.

Testosteronstrotzdende Junggesellen

In einer Flut von Emails von Wohnungsbesitzern, die einem wie die Telefonspammer alles anbieten, fand sich diese entzückende Nachricht:

Ciao Sabine … sei così bella che (giuro!) la stanza di casa mia te la darei anche gratis!! In cambio mi basterebbe vederti a tavola la sera per cena qualche volta … cucinata da me ovviamente 😀
Io ho 42 anni e vivo da solo in un appartamento spazioso e confortevole nel quartiere *******.

V.”

Hier die deutsche Übersetzung: “Hallo Sabine … Du bist so hübsch, dass (ich schwöre!) ich Dir das Zimmer in meiner Wohnung auch gratis überlassen würde!! Im Gegenzug dazu würde es mir reichen, Dich ab und zu zum Abendessen an meinem Tisch zu sehen … natürlich koche ich 😀 Ich bin 42 Jahre alt und lebe alleine in einer geräumigen und komfortablen Wohnung im Viertel *******.

V.”


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