Internetprovider wechseln in Italien: So geht’s

Aus persönlicher Erfahrung mit meinem gerade abgeschlossenen Providerwechsel denke ich, es könnte auch für andere Menschen hilfreich sein zu erfahren, wie man einen Internetproviderwechsel in Italien ohne Strafzahlungen und böse Überraschungen durchführt. Die beschriebene Prozedur ist natürlich mit „so sollte es EIGENTLICH gehen“ zu untertiteln, aber Sachen, die selbst in Deutschland schon nicht funktionieren, funktionieren in Italien meist nur mit NOCH ein bißchen mehr Geduld.

Wer unseren persönlichen Leidensweg lesen möchte (=wie dick es wirklich kommen kann ;-)), kann dies sehr bald in einem anderen Beitrag tun (ist noch in Arbeit). Es folgt nun die Anleitung.


Wichtig: Die folgende Anleitung ist nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt, aber ersetzt natürlich NICHT und in keinem Fall eventuelle anderweitige Informationen deines derzeitigen und des neuen Providers! 


Zum Providerwechsel in Italien sind die folgenden Schritte notwendig, in chronologischer Reihenfolge:

  • Den so genannten codice di migrazione aus den Unterlagen suchen. Dies ist ein Code, den der neue Provider unbedingt benötigt. Er befindet sich meist sogar auf den Rechnungen des Providers, spätestens aber wird man im eigenen Kundenprofil auf der Providerplattform fündig.
  • Man sollte sich versichern, dass die Mindestlaufzeit des aktuellen Vertrags schon verstrichen ist. Dies sind je nach Betreiber und Vertrag (=Vertrag lesen!) ca. 2 Jahre. Andernfalls kann man zwar auch wechseln, bezahlt aber eine „Strafe„, die recht hoch ausfallen kann, vor allem, wenn man auch noch das Modem des Betreibers abbezahlen muss.
  • Ein neues Angebot aussuchen. Man sollte natürlich vorher einen Check machen, wie gut die eigene Zone abgedeckt ist. Das ist aber keine Garantie dafür, was dann tatsächlich im eigenen Haus ankommt (ich habe horrende Kundenberichte in zig Foren gelesen, unabhängig von welchem Provider). Aus den Foren habe ich eines herausgelesen: wenn man sichergehen möchte, dass man mit der neuen Verbindung keine langwierigen Probleme haben wird, sollte man besser auf TIM setzen (Telekom Italien). TIM hat die Netz-Hoheit in Italien, da es nun einmal die Telekom Italien war, die die Leitungen verlegt hat und heute an andere Provider vermietet. TIM ist allerdings auch tendenziell der teuerste aller Anbieter.
  • Oft günstiger sind die Verträge, die man direkt übers Internet anbahnt. Hier spart man meist die so genannte Aktivierungsgebühr. Es lohnt sich also, den neuen Vertrag online einzuleiten.
  • Der neue Provider ruft i.d.R. SOFORT an, um alle Formalitäten klarzumachen. Beim Verkaufen sind sie alle schnell wie der Blitz. Dem Operator sollte man die folgenden Daten präsentieren können:
    • codice di migrazione
    • codice fiscale (die persönliche Steuernummer). Ohne den Codice Fiscale geht NICHTS in Italien.
    • die Nummer der carta d’identità (italienischer Personalausweis)
  • Sobald die neue Leitung aktiv ist (!), sollte man die offizielle Kündigung per Einschreiben an die Kündigungsadresse des Ex-Providers schicken. Nicht früher. Aber man sollte es auf jeden Fall tun, auch wenn der neue Provider einen vom Pferd erzählt und versichert, er kümmere sich um alles. Das „sich-um-alles-Kümmern“ betrifft nämlich nur die Telefonnummer und niemals die Internetverbindung. Formulare für Kündigungen finden sich normalerweise im Onlineportal des Ex-Providers.
  • Innerhalb eines bestimmten Zeitraums (ich meine es wären 30 Tage gewesen) muss der Ex-Provider den Vertrag beenden. Auch hier steht der genaue Zeitraum im Vertrag geregelt. Das heißt natürlich, dass man beim Providerwechsel in Italien immer ca. einen Monat doppelt bezahlt (an den neuen und den alten Provider). Das Verschicken der Kündigung erst am Tag der Freischaltung der neuen Leitung ist eine Vorsichtsmaßnahme, die verhindern sollte, dass man eine zeitlang ohne Internet bleibt. Auch habe ich in Foren einige Beschwerden gelesen von Kunden, deren neuer Vertrag wegen „technischen Problemen“ des neuen Providers nicht zustande kam. Von daher besser einmal doppelt zahlen.
  • Man sollte das Modem des Ex-Providers, sowie alle dazugehörigen Zubehörteile, wieder in die Originalpackung verfrachten. Das Modem muss zurückgeschickt werden, sonst kassiert der Ex-Provider eine saftige Strafe um die 100 Euro. Meiner erzählt mir gerade, dass mein Modem nicht zurückgeschickt werden muss, dabei habe ich genügend Kollegen, die Strafe zahlen mussten, weil sie das uralt-Modem noch zu Hause gelagert hatten.
  • Innerhalb eines ebenso festgelegten Zeitraums (eigentlich ein paar Tage, aber der Provider „vergisst“ das Ganze auch gerne, um dann die Strafe bei dir einzukassieren), schickt der Ex-Provider einen Code, mit dem man das Modem kostenfrei mit der Post zurücksenden kann. Das Modem muss innerhalb 45 Tagen (informiere dich beim Ex-Provider über den Zeitraum, dieser kann natürlich variieren!) ab dem Tag, an dem man die Kündigung geschickt hat, beim Ex-Provider ankommen. Sonst gibt es was? Genau, Strafzahlung. Sollte der Code also nicht über SMS oder E-Mail eintreffen, ist der beste Weg, den Ex-Provider auf Facebook zu kontaktieren. Der Kundenservice auf Facebook ist in der Regel um Längen besser als der im Callcenter. Und dazu noch kostenlos. Viele lassen sich die eigene Servicenummer teuer bezahlen und versuchen natürlich alles, um möglichst viel Geld damit zu verdienen.

Nun sollte alles über die Bühne gegangen sein. Ich hoffe, diese kleine Anleitung aus persönlicher Erfahrung ist hilfreich und wünsche allen, die auch einen Internetproviderwechsel in Italien durchführen, viel Glück und eine gute neue Leitung!

Was sind eure Erfahrungen? Habt ihr etwas hinzuzufügen?

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