Piranesi Ausstellung Rom: Schon Goethe bestaunte seine Werke

Plakat der Piranesi Ausstellung in Rom

Aktuell beherbergt der Palazzo Braschi (Museo di Roma) in Rom eine Piranesi Ausstellung: dieses Mal kann man die Kupferstiche von Giovanni Battista Piranesi entdecken, welcher vor allem für die Radierungen seiner Serie „carceri“ (zu Deutsch „Kerker“) bekannt ist, die bis heute die Menschen in ihren Bann ziehen.

 

Wer war Piranesi?

Giovanni Battista Piranesi war ein venezianischer Künstler, Architekt, Archäologe und Bühnenbildner, der im 18. Jahrhundert lebte. Der Mann mit den vielen Berufen wurde im Jahre 1720 in Venedig als Sohn eines Steinmetzes geboren und starb 1778 in Rom. Er begann seine berufliche Laufbahn noch in Venedig als Architekt, lernte aber bald schon auch die Bühnenbildnerei kennen. Sowohl die Ausbildung als Bühnenbildner, als auch die im damaligen Venedig zur Blüte gekommene Kunst der Vedute („Ansichten“) stärkten wahrscheinlich seinen Blick für die perfekte räumliche Darstellung in seinen Werken.

Mit 20 Jahren erreichte er Rom im Gefolge eines venezianischen Gesandten des Heiligen Stuhls und begann seine Künstlerkarriere, da er merkte, dass es für Architekten weniger zu tun gab in Rom als für Künstler. Hört, hört, früher war die Welt auch für begabte Künstler noch aufgeschlossen!

In Rom perfektionierte er die Kunst der Bleistiche, die man mit offenen Augen (und mit vor Staunen offenem Mund) nun in der Ausstellung bewundern kann.

Piranesi studierte eingehend die römische Baukunst, sowohl die antike als auch die barocke, was sich zweifellos in seinen Werken niederschlägt.

Als Architekt konnte er sich ein Mal in seinem Leben dann doch noch verdingen: er bekam den Auftrag, die Kirche Santa Maria del Priorato in Rom (in Piazza dei Cavalieri di Malta) umzugestalten. Dort liegt er nun auch begraben.

Rätsel über seinen Geisteszustand könnten seine Radierungen der carceri („Kerker“) dem heutigen Betrachter durchaus aufgeben. Fühlte er sich allein? Hatte er Gewaltfantasien? Oder stellte er sich so einfach nur die Hölle vor?

 

Die Piranesi Ausstellung im Palazzo Braschi in Rom

Die Ausstellung, genannt „La fabbrica dell’utopia“ (die Fabrik der Utopie), ist vom 16. Juni 2017 bis zum 15. Oktober 2017 im Palazzo Braschi (Museo di Roma) in Piazza San Pantaleo 10 direkt unterhalb der Piazza Navona zu besuchen.

Die Öffnungszeiten sind von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 19 Uhr, Montags ist Ruhetag.

Der Eintritt beträgt 9 Euro, die jeden Euro wert sind. Man bekommt mit der Eintrittskarte auch eine 3D-Brille ausgehändigt. Uns erklärte man nicht, wofür sie gedacht ist. Schließlich stellten wir fest, dass sie für den 3D-Film gedacht sind, der in einem der Räume gezeigt wird. Dort wird der Besucher direkt in 3D-Darstellungen von Piranesis dunklen Kerkerfantasien aus seiner Serie „carceri“ versetzt.

Die Ausstellung beherbergt über 200 Werke von Piranesi, sowie Fotografien seiner Arbeiten als Architekt in der Kurche Santa Maria del Priorato.

Eingang zur Piranesi Ausstellung im Palazzo Braschi in Rom

Eingang zur Piranesi Ausstellung im Palazzo Braschi in Rom

Wie es uns gefiel

Wir stellten zwei Arten der Darstellung in seiner Kunst fest: Werke, die detailreich bis zur Perfektion ausgearbeitet sind und Werke, die eher wie Skizzen aussehen, die vielmehr die Dinge erahnen lassen. Zu letzteren zählt auch seine Reihe der carceri, was uns vermuten lässt, dass Piranesi aus der Phantasie gezeichnete Dinge weniger akkurat ausarbeitete.

Die Reihe „vedute di Roma“ zum Beispiel ist hingegen bis aufs kleinste Detail fast fotografiegenau ausgearbeitet. Wer näher an die Stiche herangeht, kann nur über die ruhige Hand Piranesis staunen. Millionen feinster Linien, die sich nur dort berühren, wo der Künstler es tatsächlich beabsichtigte. Hier merkt man, dass es sich um einen Künstler handelt, der gleichzeitig ein perfektionistischer Architekt war.

Im Raum der vedute di Roma wird auch auf einem Schild bemerkt, dass zur Zeit der Entstehung dieser Werke der erste Rom-Tourismus aufkam. Auch Goethe ist erwähnt, weshalb wir annehmen, dass auch er diese detailgenauen „Ansichtskarten“ von Piranesi schon bestaunt hat. Der Gedanke daran, dass man gerade eine Radierung betrachtet, die Goethe auch schon gesehen haben muss, lässt fast Gänsehaut aufkommen. Wir hoffen, dass auch noch viele weitere Generationen nach uns Piranesi zu schätzen wissen werden.

Von bemerkenswerter Genauigkeit ist die vermutlich zeitaufwändigste Radierung der Ausstellung: eine fast zimmerdeckenhohe, bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Darstellung der Trajanssäule, die heute noch in Rom bestaunt werden kann. Ein wahres Meisterwerk, das wer weiß wie viele Arbeitsstunden in Anspruch genommen haben muss, und für welches Piranesi den ehrfürchtigen Respekt des Betrachters verdient.

Italianisiert.de wünscht viel Spaß und Staunen auf der Piranesi Ausstellung in Rom – es lohnt sich!

P.S.: in der Ausstellung ist Fotos machen nicht erlaubt, daher gibt es auch keine in diesem Bericht.


»Warst Du auch schon in der Piranesi Ausstellung? Wir freuen uns auf Deine Meinung!«


 

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