Protestantischer Friedhof Rom – suggestive letzte Ruhe mit berühmten Gästen

Einer der wenigen Orte in der lauten und chaotischen Stadt Rom, der seine Besucher in absoluter Stille erwartet, ist der protestantische Friedhof im Viertel Testaccio, direkt neben der Pyramide von Caio Cestio gelegen. Der mittlerweile 300 Jahre alte Ort ist nicht nur einer der „romantischsten“ und suggestivsten Orte der Welt, sondern beherbergt auch eine Reihe berühmter meist ausländischer Künstler, Dichter, Philosophen und Wissenschaftler, wie auch einen von Goethes Söhnen. Ganz zu schweigen von einer Katzenkolonie mit eigener Homepage, die seit über 100 Jahren dort ansässig ist. Willkommen auf dem Cimitero Acattolico!

„Protestantischer“ Friedhof Rom – eine unglückliche Übersetzung

Entgegen dessen, was sich der Besucher von einem „protestantischen“ Friedhof erwartet, findet man hier nicht nur Gräber von protestantisch getauften Personen. In Italien ist er teils auch unter „Cimitero Inglese“ (englischer Friedhof) bekannt: auch dies ist irreführend, weil dort nicht nur englischsprachige Menschen ihre letzte Ruhe gefunden haben. Die offizielle Bezeichnung des Ortes ist „Cimitero Acattolico„, also nicht-katholischer Friedhof. DAS ist die wahre Seele des Friedhofs am Fuße der Pyramide. Jeder, der nicht der katholischen Kirche angehörte, wurde hier begraben. Es finden sich in der Tat nicht nur Gräber von Protestanten, sondern auch von Angehörigen anderer, in unseren Gefilden recht exotischen Religionen. Da wären zum Beispiel der Zoroastrismus, der Buddismus und der Konfuzianismus.

Auch heute kann man noch dort beerdigt werden, sofern man in Italien wohnhaft, nicht katholisch und einem der folgenden Länder zugehörig ist: Australien, Kanada, Dänemark, Finnland, Deutschland, Griechenland, Norwegen, Niederlande, Großbrittanien, USA, Russland, Südafrika, Schweden oder Schweiz. Die Sprachen der jeweiligen Länder sind auch die Sprachen, die sich auf den Grabsteinen der Verstorbenen wiederfinden. Ein wahrer Schatz für Sprachfans.

Grabsteine in fremder Sprache auf dem cimitero acattolico in Rom

Nicht jeder wird jede Inschrift entziffern können auf dem Cimitero Acattolico

300 Jahre Geschichte: Früher versteckt, heute geschätzt

Vor 300 Jahren lag der Friedhof noch außerhalb der Stadt, und nur dort, fernab des Zentrums, erlaubte der Papst die Bestattung anderweitig religiöser Bewohner oder Besucher Roms. Aus Angst vor protestierenden katholischen Bürgern und anderen Repressalien führte man Beerdigungen auf dem nicht-katholischen Friedhof früher nur nachts durch.

Im Laufe der Zeit wuchs die Stadt immer weiter und bettet nun den Friedhof in sich ein. Mehrere Male wurde dieser in der Zwischenzeit erweitert und hat nun seine endgültige Größe erreicht. Eine weitere Ausdehnung scheint auch nahezu unmöglich: er wird durch die Pyramide von Caio Cestio aus dem Jahre 12 v.C., sowie durch die antiken aurelianischen Mauern auf zwei Seiten eingegrenzt.

Der Cimitero Acattolico wird an einer Seite von den aurelianischen Mauern begrenzt.

Die aurelianische Mauer im Hintergrund des Cimitero Acattolico

Die anderen beiden Seiten sind ebenso bebaut, wenn auch nicht mit historisch wichtigen Gebäuden.

Auch wenn das Areal recht übersichtlich ist, finden sich doch mittlerweile rund 4.000 Gräber dort, von denen jedes einzelne sich durch seine eigene Besonderheit von den anderen abhebt. Der älteste Teil des Friedhofs ist übrigens der direkt am Fuße der Pyramide. Dort liegen auch ein paar der berühmtesten und meist besuchten Gräber.

der alte Teil des cimitero inglese am Fuß der Piramide von Caio Cestio in Rom

Die Atmosphäre des „protestantischen“ Friedhofs ist einzigartig und kaum zu beschreiben. Einmal aus der lärmenden Großstadt durch das Tor getreten, findet man sich in absoluter Stille wieder, die durch die hohen Mauern des Areals gesichert ist. Der Verein des Friedhofs kümmert sich zwar super um dessen Instandhaltung, nichtsdestotrotz hat man fast das Gefühl, auf einem uralten Waldfriedhof zu stehen, was absolut keine Kritik darstellen soll, sondern dem Besucher nur positiv ins Auge fällt. Der Eindruck entsteht einzig und allein über das viele Grün der Hecken und Bäume.

Früher keine religiösen Symbole erlaubt

Auffällig ist, dass viele Grabsteine keine religiösen Symbole zeigen. Nicht, weil die Verstorbenen so unreligiös waren, sondern weil es der Vatikan früher verboten hatte. Das Verbot scheint heute nicht mehr zu gelten, da sich mittlerweile doch einige Symbole auch auf diesem Friedhof tummeln.

Gräber auf dem protestantischen Friedhof Rom

Generell geht es jedoch auch auf den Grabsteinen recht kreativ und in ein paar Fällen sogar recht humorvoll zu. Ich erinnere mich an ein Grab eines Herren, auf dessen Grabstein in großen Lettern „Novità?“ (Neuigkeiten?) steht. War er vielleicht ein Journalist? Ich weiß es nicht.

Nach "Neuigkeiten?" fragt ein Grabstein auf dem protestantischen Friedhof Rom

Auch sonst scheint man fast das Gefühl zu haben, die meisten der Verstorbenen hatten ein schönes Leben und besaßen vor allem viel Humor. Aber entdecke sie selbst, auch Dir werden ein paar ein Schmunzeln aufs Gesicht zaubern.

Das Grab von Frau Hahn auf dem cimitero inglese in Rom

Berühmte Personen oder Gräber des „protestantischen“ Friedhofs

Darunter finden sich zum Beispiel die zwei englischen Poeten John Keats ( 1795-1821, starb schon früh an Tuberkulose) und Percy Bysshe Shelley (1792-1822, ertrunken an der toskanischen Küste).

In der Nähe der beiden ist auch August von Goethe (1789-1830), einer von Goethes Söhnen, begraben. Er starb während einer Italienreise an einer Pockenkrankheit und wurde auf unserem wunderschönen Cimitero Acattolico beigesetzt. Sein Grabstein ist leicht zu finden, denn er trägt die Aufschrift „Goethe Filius“.

Die wohl schönste und berühmteste, und ganz nebenbei auch oft kopierte und sogar für Musikalben fotografierte Grabsteinfigur findet sich am Rand der aurelianischen Mauer: der Angelo del Dolore (Engel des Schmerzes). Der Engel wurde vom amerikanischen Bildhauer William Wetmore Story (1819-1895) für das Grab seiner Frau entworfen. Er ist heute neben seiner Frau auch selbst unter dem Schutz des Engels begraben.

Angelo del Dolore auf dem protestantischen Friedhof Rom

Wenn Du noch mehr über die auf dem Friedhof zu findenden Personen wissen möchtest, findest Du hier eine kleine Übersicht von der Friedhofsverwaltung (englische Version): http://www.cemeteryrome.it/graves/notable.html

Die unsichtbaren Bewohner auf vier Pfoten

Wie schon in der Einleitung erwähnt, gibt es schon seit über hundert Jahren eine Katzenkolonie auf dem Friedhof, um die sich seit 1984 ein gemeinnütziger Verein liebevoll kümmert.

Hierhin bringen die Menschen auch ausgesetzte Katzen, die wiederum auch wieder von Privatpersonen adoptiert werden können. Wenn Du mehr darüber wissen möchtest, hier der Link zur deutschen Version der Seite der „Friedhofskatzen“: http://www.igattidellapiramide.it/index.php?option=com_content&view=article&id=24&Itemid=101&lang=de

Als wir das erste Mal den Friedhof besuchten, sah man von ihnen keine Spur. Erst nach einiger Zeit fingen sie nach und nach an, hinter den Grabsteinen hervorzuschauen. Ab diesem Zeitpunkt sahen wir dann nur noch Katzen und konnten gar nicht glauben, wie gut sie sich vorher versteckt hatten. Eine sehr sympathische Begegnung mit den Friedhofswächtern auf vier Pfoten!

katze auf protestantischem friedhof rom

ein heimlicher Friedhofswächter auf vier Pfoten zwischen den Grabsteinen

Adresse, Anfahrt, Öffnungszeiten und Spenden

Adresse: Via Caio Cestio 6, Rom

Wie komme ich zum Friedhof: Das Einfachste ist, die Metro B zu nehmen und an der Haltestelle „Piramide“ auszusteigen. Wenn Du Bus und Tram vorziehst, sind das deine Linien: Tram 3 und Busse 75, 23, 60, 83, 95, 280, 30, 175 und 280.

Öffnungszeiten: von Montag bis Samstag von 9-17 Uhr; Sonntags und an Feiertagen von 9-13 Uhr

Spenden: Jeder, der diesen wunderbaren Ort besucht, wird gebeten, zumindest 3 Euro zu spenden. Dies ist die einzige Finanzierungsquelle für die Instandhaltung dieses einzigartigen Fleckchens.

 

Wenn Du noch nicht auf dem Cimitero Acattolico gewesen bist, plane ihn doch das nächste Mal in deine Besichtigungstour ein. Eine wahre Inspirations- und Ruhequelle erwartet dich.

 

 

 

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