Quartiere Coppedè: Mythische Märchenwelt in Rom

Ein kleines verstecktes Viertel, das kein ganzes Viertel ist. Eine Welt, die sich irgendwo zwischen Fantasie, architektonischer Extravaganz, Fabelwesen, lateinischen Schriften, altrömischer Pompösität und Tierfiguren trifft und diese in die Realität zu transportieren versucht. Das alles und noch viel mehr ist das Viertel Coppedè, il „Quartiere Coppedè“, vom gleichnamigen Architekten aus Florenz von 1913-1926 erdacht und erstellt. Sogar bei manchem Römer unbekannt, ist die Gruppe aus 17 Villen und 26 Häusern auch unter Touristen immer noch ein Geheimtipp, den es sich zu entdecken lohnt.

Wo befindet sich das Quartiere Coppedè und wie komme ich hin

Das Viertel (das eigentlich eine Häusergruppe ist) befindet sich im Viertel „Trieste“ im Norden von Rom, neben dem reichsten Viertel Parioli gelegen. Zentraler Punkt des Coppedè ist die Piazza Mincio.

Der Eingang zum Viertel ist leicht zu entdecken: Es handelt sich um einen pompösen Torbogen mit Kronleuchter, den man von Via Tagliamento aus sehen kann. Dorthin gelangst Du mit den Linien 2, 3, 19 (Ausstieg Haltestelle „Buenos Aires“ in Viale Regina Margherita und 83, 63, 92 (Ausstieg Haltestelle Tagliamento/Clitunno).

Wissenswertes rund um das Quartiere Coppedè

Der von der damaligen privaten römischen Baugesellschaft zum Bau des Viertels engagierte Architekt Luigi Coppedè war schon zu seiner Zeit bekannt durch Arbeiten in Florenz, Messina und vor allem in Genova. Leider konnte er das Viertel in Rom nicht ganz fertigstellen: er starb im Jahre 1927. Das, was er vollenden konnte, ist allerdings schon beeindruckend genug für einen Besuch.

Damals war das Viertel für Botschafter aus aller Welt gebaut worden, weshalb man noch heute ein paar Botschaften dort findet: Die Botschaft von Südafrika in Via Tanaro und die von Marokko und Bolivien in Via Brenta. Heute befinden sich auch Büros und ein Gymnasium dort. Wer dort wohnt, kann es sich leisten und gehört zur oberen Schicht der Gesellschaft.

Ein Mix von Einflüssen und Stilen

Die Bauherren wünschten sich von Coppedè, dass er ein Viertel erstellt, welches auf jeden Fall römische Züge haben sollte. Diese spiegeln sich heute zum Beispiel in dem großen Torbogen mit Kronleuchter (wie ein römischer Triumphbogen), Säulen und Theatermasken an den Häuserfronten und einer Darstellung der Wölfin mit Romulus und Remus wider. Nichtsdestotrotz gibt es noch viel mehr Einflüsse und persönlichen Stil des Architekten zu entdecken, als „nur“ antik-römische Elemente.

Coppedès Motto für die Planung der römischen Häuser-und Villengruppe war: „Se la vita è un sogno… perché non portare il sogno nella realtà” (Wenn das Leben ein Traum ist, warum sollte man den Traum nicht in die Realität holen). Dies kann wohl als sehr bezeichnend für seine Arbeit in Rom gelten, und jeder Besucher der das Viertel gesehen hat wird nur bestätigen können.

Über die Bedeutung oder Nicht-Bedeutung der zahlreichen Darstellungen von Tierelementen (Bienen, Löwen, Spinnen, Frösche, Hahn, …), die teilweise sogar als Freimaurersymbole gedeutet werden können, wurde schon immer gerne spekuliert und wird auch in Zukunft immer wieder diskutiert.

Des Weiteren kann man den Stil der Gebäude teilweise mit dem zur damaligen Zeit aktuellen „Liberty“ und „Art Déco“ Stil beschreiben, was aber auch wiederum nicht ganz zutrifft, und was auch der Grund dafür ist, dass man letzten Endes entschieden hat, den Stil Coppedès ganz einfach als nicht einzuordnenden „stile Coppedè“ zu bezeichnen. Eine einzigartige Häuserlandschaft also, die man nirgendwo sonst auf der Welt findet.

Torbogen und Palazzi degli Ambasciatori

Die sehenswerten Elemente fangen schon mit dem imposanten Torbogen an, den man von Via Tagliamento kommend gleich zu Beginn des Rundgangs bestaunen kann und welcher zwei Palazzi des Viertels miteinander verbindet. Unter dem Bogen aufgehängt befindet sich ein beeindruckender eiserner Kronleuchter, der auch tatsächlich nachts Licht spendet und die verschiedenen asymmetrischen Gestaltungselemente um ihn herum in Szene setzt.

der Kronleuchter unter dem Torbogen im Quartiere Coppedè in Rom, Nahaufnahme

Nahaufnahme des Kronleuchters unter dem Torbogen im Quartiere Coppedè. Die goldene Deckenverzierung besteht aus römischen Adlern.

Wie schon erwähnt, ist der Bogen als Anspielung auf das antike Rom gedacht und beherbergt daher auch Darstellungen von Adlern und anderen römischen Figuren.

torbogen coppede mit masken

Blick auf den Torbogen des Coppedè aus dem Inneren des Viertels. Man erkennt den antik-römischen Bezug auf die Triumphbogen, sowie römische Theatermasken darüber

Die beiden verbundenen Palazzi sind übrigens die der Botschafter, daher auch „Palazzi degli Ambasciatori“ genannt.

Piazza Mincio und Fontana delle Rane

Ist man unter dem Bogen hindurch, befindet man sich auch schon in der großzügigen Piazza Mincio, um die sich die Hauptgebäude des Quartiere Coppedè in ihrer Einzigartigkeit gegenseitig überbieten zu wollen scheinen.

Zentraler Punkt der Piazza ist ein Brunnen mit Froschfiguren, Fontana delle Rane genannt, der dort seit 1924 dem Viertel sein Gesicht verleiht. Wer darin schon gebadet haben soll, dazu später mehr 😉.

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die Fontana delle Rane in Piazza Mincio des Quartiere Coppedè in Rom

die Fontana delle Rane in Piazza Mincio des Quartiere Coppedè, mit Blick auf einen weiteren Palazzo des Architekten Coppedè

Nun zu den berühmtesten Gebäuden des Viertels ein Wörtchen. Sie sollen auch von innen recht surreal und experimentierfreudig gestaltet worden sein, nur kommt man dort logischerweise nicht so einfach hinein. Es wohnen immerhin Leute darin, die ihre verdiente Ruhe haben wollen. Interessant wäre es auf jeden Fall, denn auch die Möbel in den Gebäuden des Quartiere Coppedè sind eigens vom Architekten entworfen worden.

Palazzo del Ragno

Eines der Gebäude, die gerne für Horrorfilmszenarien genommen werden, ist der Palazzo del Ragno (Palast der Spinne), der seit 1926 unbedarfte Fußgänger staunend vor sich stehen bleiben lässt. Er hat seinen Namen wegen eines großen Mosaiks über dem Eingang, der eine riesige Spinne in ihrem Netz darstellt.

palazzo del ragno quartiere coppedè in rom

Das Spinnenmosaik des Palazzo del Ragno

Über einem Balkon des Palazzo del Ragno ist außerdem das lateinische Wort „Labor“ (Arbeit) zu lesen. Man kann nun über das Warum spekulieren und wird es auch in Zukunft noch tun.

Villino delle Fate

Das Glanzstück und Hauptattraktion des Viertels ist mit Sicherheit die Feenvilla, „Villino delle Fate, die dem Betrachter wie ein Fantasiegebilde aus einer nicht definierbaren Zeit vorkommt. Symmetrische Architektur sucht man hier vergebens, es scheint alles wild zusammengewürfelt zu sein. Von kleinen Türmchen bis hin zu Torbogenelementen und Säulen findet man hier alle erdenklichen Gebilde. Manche Elemente imitieren Äste, Dornen, Bordüren oder Rahmen und tragen so erheblich zur surrealen Erscheinung der Villa bei. Auch die Rohstoffe, die zum Bau verwendet wurden, sind zahlreich: Marmor, Travertin, Terracotta, Glas, Eisen und Holz.

fontana delle rane mit villino delle fate im quartiere coppedè in rom

Der Villino delle Fate hinter der Fontana delle Rane

Der Villino delle Fate ist auch farblich von außen sehr interessant gestaltet: auf der linken Seite der Villa findet man ein vor allem in blau gehaltenes Wandgemälde, das Dante und Petrarca, zwei bedeutende italienische Schriftsteller Italiens, die Ehre erweist. Die beiden stammen aus Florenz wie auch der Architekt Coppedè, von daher könnte man vermuten, dass es einfach eine Erinnerung an seine Heimat ist.

Auf der rechten Seite des Villino delle Fate findet man Elemente, die auf die Städte Florenz, Rom und Venedig anspielen:

  • Den Schriftzug „Firenze sei bella“ (Florenz du bist schön)
  • Die geflügelten venezianischen Löwen
  • Die römische Wölfin mit Romulus und Remus

Zuguterletzt sieht man außen an der Villa auch noch eine Meeresschlachtszene, sowie den Baum des Lebens.

Beliebte Filmkulisse

Die Gebäude des Quartiere Coppedè mit ihrem surrealen Charme haben schon zahlreiche Filmkulissen abgegeben.

Die in Italien wohl berühmtesten Filme, die teilweise dort gedreht sind, stammen vom Regisseur für Horrorfilme Dario Argento: Man findet das Viertel in seinen Filmen „Inferno“ (Hölle) von 1980 und „Uccello dalle piume di cristallo“ (Vogel mit kristallenen Federn) von 1970 wieder.

Auch im Film „il Boom“ (1963) mit dem berühmten italienischen Schauspieler Alberto Sordi ist die Piazza Mincio des Quartiere Coppedè zu sehen.

Ein weiteres Beispiel ist ein Film aus dem „Noir“ Genre von 1974 namens „Il profumo della signora in nero“ (der Duft der Dame in Schwarz).

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Der Piper Club und die Beatles

Einen Steinwurf vom Quartiere Coppedè entfernt befindet sich übrigens der historische „Piper Club“, ein Club für Konzerte, der heute noch aktiv ist, seinen guten Musikgeschmack aber wohl verloren hat, da es scheinbar nur noch House- und Technoveranstaltungen dort gibt. Dort spielten schon die Beatles und mehrmals auch Pink Floyd, welche dort vier Konzerte in zwei Tagen gegeben haben sollen. Was die Beatles betrifft: die Leute erzählen sich, dass sie eines Abends nach dem Konzert in der Fontana delle Rane im Coppedè gebadet haben sollen. Amüsante Vorstellung, wenn man gerade vor besagtem Brunnen steht. Beweise hat dafür aber leider niemand mehr.

 

Du siehst, es lohnt sich, das Quartiere Coppedè einmal selbst zu besuchen. Es ist zwar nicht groß, aber man kann unheimlich viel Zeit damit verbringen, vor den jeweiligen Villen und Palazzi zu stehen und deren unzähligen Elemente nach und nach zu entdecken. Ein weltweit wirklich einzigartiger Ort, gestaltet von einem einzigartigen Architekten vergangener Zeiten, der die Geheimnisse dieses Viertels mit ins Grab genommen hat und nun zum spekulieren und träumen einlädt.

 

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