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Centrale Montemartini: Maschinen und Götter

Typisch für die Industrielandschaft des Viertels Ostiense in Rom ist die Architektur und Ausgestaltung der Centrale Montemartini, dem ehemaligen Elektrizitätswerk, zu sehen bekommt. Laut The Guardian ist sie das am meisten unterschätzte Museum Roms! Ein Grund, sich mal darin umzusehen!

Centrale Montemartini von Außen
Centrale Montemartini von Außen

Anfahrt, Öffnungszeiten, Eintritt, Sonderausstellungen

Adresse: Via Ostiense 106

Anreisemöglichkeiten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln:

  • Metro B Garbatella
  • Bus 23, 769, 792 (Haltestelle “Ostiense/Garbatella”)
  • Alle Züge, die am Bahnhof Ostiense halten

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 9-19 Uhr; am 24. und 31.12. 9-14 Uhr

Geschlossen: Montags, 1.1., 1.5., 25.12.

Behindertengerecht: Ja, der Eingang ist ebenerdig. Im Gebäude gibt es Aufzüge.

Geschichte der Centrale Montemartini

Ein großer Teil der einzigartigen Atmosphäre der Centrale Montemartini ist durch die Geschichte des Gebäudes selbst bedingt. Ein Stück Vergangenheit Roms, das eine noch weitere Vergangenheit beherbergt.

Wärmekraftwerk

Wie schon gesagt, handelt es sich um ein ehemaliges Elektrizitätswerk, genauer gesagt ein Wärmekraftwerk. Damals erzeugte man die nötige Wärme mit Kohle. Unsere Centrale ist aber nicht irgendein E-Werk, nein. Es ist das erste Elektrizitätswerk der Stadt Rom und war aktiv von 1912 bis 1963.

Solltest Du dich für Industriegeschichte interessieren, wird dich sicher dieser Fakt interessieren: Die Maschinen zur Stromproduktion sind heute noch genau am selben Ort von damals und bilden einen hervorragenden Hintergrund für die antiken Statuen Roms, ohne von ihnen verdeckt zu werden.

Im Maschinenraum zum Beispiel befinden sich die Glanzstücke der Centrale: zwei jeweils über 20 Meter lange Dieselmotoren, liebevoll restauriert.

Dieselmotor im Maschinenraum der Centrale Montemartini
Dieselmotor im Maschinenraum der Centrale Montemartini

Museum

Heute ist die Centrale Montemartini eines der interessantesten Museen Roms, das vor allem viele besondere Statuen, Büsten, Sarkophage und Grabsteine aus römischen Ausgrabungen beherbergt.

Venusstatue vor Kondensator in Centrale Montemartini
Venusstatue vor einem alten Kondensator

Alles fing mit einer temporären Unterbringung von Ausstellungsstücken aus den kapitolinischen Museen an. Aufgrund von Umbaumaßnahmen brauchte man dort nämlich ein wenig Platz für die Bauarbeiten.

Schnell stellte sich jedoch heraus, dass der großzügige Platz der damals leerstehenden ungenutzten Centrale Montemartini ideal für ein ganz besonderes Museum ist. Man entschied sich also, diese Idee in die Tat umzusetzen.

2001 wurde das neue Museum Centrale Montemartini dann fürs Publikum geöffnet.

In 2016 wurde das Museum durch die Öffnung eines neuen Saales erweitert. Hier findet man heute den extravaganten Zug von Papst Pio IX.

Ausschnitt des Zugs von Papst Pio IX
Ausschnitt des Zugs von Papst Pio IX

Hin und wieder gibt es hier auch temporäre Ausstellungen in der Centrale Montemartini, wie z.B. aktuell im März 2020 die Ausstellung “I colori degli Etruschi” (die Farben der Etrusker).

Welch geniale Idee der Mensch hatte, der die Centrale als Herberge für die vielen wertvollen Ausstellungsstücke vorschlug, wird um nächsten Kapitel deutlich.

Ein Ort, der viele Vergangenheiten zusammenfasst

Einmal an der Kasse vorbei, verzaubert die Centrale Montemartini den Besucher sofort. Wer glaubt, Maschinen und lebloser Stein hätten nichts zu erzählen, der wird hier eines besseren belehrt.

Hier vereinen sich stumme Zeugen verschiedener Epochen aus Marmor, Gold und Stahl zu einem Gesamtkunstwerk. Ein Gesamtkunstwerk, dass so unglaublich kontrastreich ist, dass hier wahrhaft eine einzigartige Stimmung entsteht.

Statuen Centrale Montemartini

Eine wahre Lawine so überwältigend lebendiger Geschichten vieler vergangener Leben, Künste, Götter, Technologien und Traditionen erwartet dich hier.

Ja, man wird von den intensiven Blicken der vielen antiken weißen Büsten und Statuen fast schon bedrängt, sich ihre Geschichte an den dazugehörigen Tafeln durchzulesen. Oder auszudenken. Eine nach der anderen.

Büste in der Centrale Montemartini

Meine ganz persönlichen Highlights der Centrale Montemartini

In der energiegeladenen Atmosphäre der Centrale Montemartini gibt es unzählige Highlights. Vermutlich wäre jedes einzelne Ausstellungsstück eine Erwähnung wert.

In Erinnerung behalten werde ich aber ganz bestimmt das Schicksal und die Geschichte der jungen Frau namens Crepereia Tryphaena, die im Rom des 2. Jahrhundert nach Christus lebte. Sie hat, mitsamt ihren Eltern, eine eigene, private Ecke in der Centrale bezogen.

Nun liegt sie dort, oder vielmehr ihr Skelett, das einer Jugendlichen, für den Besucher sichtbar in ihrem Sarg. In dem daneben, ihre Eltern. Diese hatten wenigstens ein Leben, ja sogar ein sehr wohlhabendes. An Luxus fehlte es auch Crepereia nicht, lediglich an Lebenszeit.

Als Crepereia in ihrem Sarg während den Bauarbeiten für den heutigen Palazzo di Giustizia gefunden wurde, hatte sie ihre liebsten Sachen bei sich: Der goldene Ring, mit dem Namen vermutlich ihres Verlobten, steckte ihr noch am Finger. Filetus hat er demnach geheißen. Und im Arm, ihre Puppe aus Elfenbein, die heute nur zwei Meter entfernt in der Vitrine zu sehen ist, als wäre sie gestern erst hergestellt worden.

Puppe Crepereia Centrale Montemartini
Crepereias Puppe

Woran sie starb? Dieses Geheimnis hat sie mit ins Grab genommen.

Fazit

Der Guardian hatte Recht: Dieses Museum ist tatsächlich das am meisten unterbewertete Museum Roms.

Viele Vergangenheiten, die, so unterschiedlich sie auch sein mögen, in der Centrale Montemartini gekonnt zu einer einzigen verschmelzen und dir wie im Chor eine unumstößliche Wahrheit entgegenschreien, wie sie auch in der Kapuzinergruft Rom geschrieben steht:

“Was ihr seid, sind wir gewesen. Was wir sind, das werdet ihr sein.”

Wie kein anderer Ort in Rom weiß die Centrale zu vermitteln, dass das, was man heute noch als die Moderne, als visionär und Zukunft bezeichnet, schon morgen vergangen ist. Mensch, Gott und Maschine.

Auf geht es, die Centrale Montemartini wartet auf deinen Besuch!

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