Giggetto, Besuch in der Kult-Osteria des jüdischen Viertels

Im Herzen des belebten jüdischen Viertels in Rom und ehemaligen Ghetto, liegt eine von Roms ganz besonderen Osterien. Die Rede ist von Giggetto, bei dem man nicht koscher, aber dafür so richtig römisch essen gehen kann. Was dich dort erwartet und was Giggetto so sympathisch macht, erfährst Du hier!

Blick auf die Hostaria Giggetto

In Familienhand seit 1923

Eine der mittlerweile sehr raren Eigenschaften in Rom, was die Gastronomie betrifft, ist die Weiterführung von Restaurants, Trattorien und Osterien in Familienhand.

Giggetto ist eines dieser wenigen positiven Beispiele. Die Hostaria ist noch nicht so lange aktiv wie die über 500 Jahre alte La Campana, aber immerhin schon seit 1923, also seit fast 100 Jahren! Und in der dritten Generation.

Ein gewitzter Vorbesitzer

Beinahe hätte in 1923 auch Giggetto gleich wieder geschlossen: Der damalige Besitzer des Hauses und der Osteria scheint ein wahres Schlitzohr gewesen zu sein. Er hatte wohl schon mehrfach diese Immobilie verkauft und zum halben Preis auch wieder zurückgekauft.

Sein Trick: Vor jedem Verkauf täuschte der Besitzer vor, bei dem zu verkaufenden Objekt handele es sich um eine gutgehende Osteria. In Wirklichkeit hatte er jedoch nur am Tag des Verkaufs das Lokal mit allerhand Freunden gefüllt, die danach natürlich nicht mehr hierher zurückkehrten. Die verzweifelten neuen Besitzer hatten sich daraufhin nach einer gewissen Zeit stets zum Wiederverkauf entschlossen und gaben sich mit der Hälfte des originalen Kaufpreises zufrieden.

Diese Familie jedoch krämpelte die Ärmel hoch und machte weiter.

Türbeschriftung Eingang Giggetto
Die sympathische Türbeschriftung von Anno Dazumal

Die Anfänge: Von Frascatiwein und Artischocken unterm Sternenhimmel

Unser “Giggetto”, mit richtigem Namen Luigi Ceccarelli, und seine Frau Ines, die alle “Sora Ines” (=Schwester Ines) nannten, gaben sich dem gewitzten Vorbesitzer zum Glück nicht geschlagen.

Sie wussten mit gutem Frascatiwein und den besten Carciofi alla Giudia (Artischocken auf jüdische Art, d.h. frittierte Artischocken) schon von Anfang an zu überzeugen und erwarben sich so Schritt für Schritt ihren heute weltweit guten Ruf. Blättere mal in einem Touristenführer und Du wirst mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Empfehlung für dieses Giggetto finden.

Sieht man das Lokal heute, kann man kaum glauben, dass Ines und Luigi damals noch unter freiem Himmel auf einer improvisierten Herdplatte kochten.

Das Lokal heute

Heute finden wir bei Giggetto nicht nur einen großzügigen Außenbereich mit zahlreichen Tischen und direkter Aussicht auf den Portico d’Ottavia vor, sondern auch einen geräumigen Innenbereich von mehreren Sälen.

Ausblick auf den Portico d'Ottavia von Giggetto aus
Ausblick auf den Portico d’Ottavia für die Gäste bei Giggetto

Die Säle selbst haben einen wunderbaren rustikalen Charme, dank der tonfarbenen freigelegten Ziegeln der Wände und der folkloristischen Dekoration. Du solltest jedoch zur Sicherheit einen Tisch reservieren, wenn Du einen Platz drinnen bekommen möchtest.

Was Du unbedingt bei Giggetto probieren solltest

Die Osteria ist auch heute noch für ihre Spezialität aus dem Jahre 1923 bekannt und geschätzt: Die Carciofi alla Giudia. Dass dies der Wahrheit entspricht, siehst Du auch daran, dass im Eingangsbereich des Lokals eine Person sitzt, die den ganzen Tag nichts anderes macht als Artischocken zurecht zu schneiden. 😉

Außer der Spezialität des Hauses kann man auch diese typisch römischen Gerichte empfehlen:

  • Filetti di Baccalà (frittierte Kabeljaufilets, als Antipasto),
  • Gricia (Pasta mit Backenspeck. Wie die Amatriciana, nur ohne Tomate),
  • Pajata (Pasta mit einer Soße aus Tomaten und Kalbdarm. Alte römische Tradition, nur wenige Restaurants bereiten sie zu)
frittierte Artischocken in der Osteria Giggetto im jüdischen Viertel in Rom
Hier wird jeder ein Fan von frittierten Artischocken!
Pajata bei Giggetto im jüdischen Viertel Rom
Tortiglioni con Pajata
Coda alla Vaccinara
Coda alla Vaccinara

Wird dieses Lokal zu touristisch? Unsere Meinung

Sieht man sich die Rezensionen auf Tripadvisor & Co. an, so findet man im auch viele weniger guten Bewertungen vor. Davon kann vieles stimmen, jedoch ist die Natur des Menschen diejenige, vor allem dann zu rezensieren, wenn etwas nicht gepasst hat.

Daher überzeugen wir uns gerne selbst.

Bei unserem Besuch war alles super: vom Wein des Hauses über die Artischocken, die Pajata und die Cicoria Ripassata. Auch die Kellner sind professioneller als in so manch anderem Lokal, und das bei so vielen Gästen.

Natürlich fehlt es nicht an Touristen – immerhin ist Giggetto mitten im Zentrum gelegen, mit direkter Sicht auf den Portico di Ottavia. Und dann noch der (berechtigte) Ruf, die besten frittierten Artischocken in Rom zu machen.

Bei so einer großen Gastronomie ist es tatsächlich schwer, nach Perfektion bei jedem einzelnen Gericht zu streben. Je mehr Gäste, desto geringer die bestmögliche Aufmerksamkeit.

Der zweite Gang den wir bestellt hatten – ebenfalls ein typisch römisches Gericht – war tatsächlich die erste und einzige Sache, die überhaupt nicht gepasst hat. Hier handelte es sich um Coda alla Vaccinara (Rinderschwanz). Die Teile waren leider nicht lange genug gekocht, weshalb das Fleisch sich kaum vom Knochen löste. Schade.

Was den großen Rest betrifft, sind wir sehr zufrieden und haben wirklich gut gegessen. Die Preise, nunja, sie sind schon etwas hoch, aber ein historisches Lokal kann sie sich leisten. Und mit welcher Aussicht!

Unser Tipp: Hingehen, wenn nicht so viel los ist 😉

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