Rom bei Nacht – Wohin, was sehen & was vermeiden

Ein Spaziergang in Rom bei Nacht sollte eines der wirklich wichtigen Pflichtprogramme für jeden sein, der die ewige Stadt besucht. Mit vielen meiner Gäste ist es tatsächlich die erste Unternehmung, die in Angriff genommen wird, meist nach dem ersten Abendessen in der Stadt. Einmal den nächtlichen Spaziergang hinter dir, wirst Du dich nie wieder fragen, warum Du eigentlich so lange aufgeblieben bist. Du wirst vielmehr mit leuchtenden Augen jedem davon berichten, der es noch nicht getan hat. Die Atmosphäre ist unvergleichlich, die ganze Stadt in das typische weiche, ins Orangefarbene tendierende Licht getaucht. Man spürt die Schwere der Jahrtausende alten Geschichte und die eigentliche Schönheit der Stadt erst dann richtig, wenn die Touristenmassen schon längst im Hotelbett schlummern.

In diesem Artikel findet ihr Highlights und Tipps, aber auch angesagte Zonen und diejenigen, die man aktuell tunlichst nachts meiden sollte, vor allem wenn man weiblich und alleine unterwegs ist. Mindestens zu Zweit gehen ist Nachts Pflicht, aber das gilt wohl für die ganze Welt und ist einfach vernünftig.

Wohin gehen in Rom bei Nacht

Beeindruckend und unglaublich schön ist natürlich das komplette historische Stadtzentrum wenn es dunkel wird, es gibt aber auch ein paar Denkmäler, die Du auf keinen Fall zu später Stunde verpassen solltest. Natürlich ist das meine Meinung, und von denen gibt es so viele wie Sand am Meer. Aber versuche es doch einmal und Du wirst dich nicht beschweren können.

Die 3 schönsten Orte in Rom bei Nacht:

  • Das Pantheon: sowieso schon mein absolutes Liebligsgebäude, ist das Pantheon bei Nacht ein unglaubliches Ereignis. Stelle dich davor und rufe dir ins Gedächtnis, dass dieses Gebäude dort schon seit 27. v.Chr. immer noch unversehrt seine Besucher in den Bann zieht. Lasse dir durch den Kopf gehen, dass nicht einmal Jesus schon das Licht der Welt erblickt hatte, und dass das römische Imperium trotz all seiner Macht doch aufgrund des Wahns, immer weiter wachsen zu müssen, schließlich in sich zusammenfiel. All das und noch viel mehr hat das Pantheon schon gesehen. Und steht immernoch. Hier. Jetzt. Und vielleicht in Ewigkeit.
  • Das Kolosseum mit Forum Romanum: Kolosseum und Forum Romanum dürfen absolut nicht in dieser Rom bei Nacht Liste fehlen. Um hier ungestört zu sein, musst Du natürlich schon ein bißchen warten und so um 3 Uhr nachts einmal vorbeischauen. Aber es lohnt sich. Der Untergang des alten Roms liegt nun, beleuchtet von ein paar Strahlern, deutlich vor dir. Nichts als ein paar umgefallene Säulen und eingestürzte Gebäudefronten ist geblieben vom einstigen Marktplatz, auf dem man alles kaufen konnte was das Riesenimperium in den hinterletzten Winkeln seiner ausgedehnten Grenzen produzierte. Auf der Seite des Traiansforums, das einst locker unseren heutigen Shoppingcentern das Wasser reichen konnte, stelle dir vor, wie ein Händler nach dem anderen in seinem Geschäft unter den Bögen des Gebäudes Waren anbot.
  • Der Gianicolo: Über Trastevere gelegen befindet sich der Hügel des Gianicolo. Hier kommst Du abends, wenn es noch nicht allzu spät ist, auch gut zu Fuß oder wenn Du Glück hast auch mit dem Bus hin. Besser ist, wenn Du ein Auto oder Motorino hast, oder das Geld für ein Taxi ausgeben kannst, denn der Aufstieg von Trastevere dauert schon ein klein wenig und die Straßenbeleuchtung für Fußgänger in Rom ist leider nicht immer ausreichend bzw. vorhanden. Auf dem Gianicolo, in der Piazza auf der Garibaldi auf seinem Pferd thront und darum herum, liegen sich die Aussichtsterrassen, die einen spektakulären Ausblick nicht nur auf Rom bei Nacht, sondern bei gutem Wetter auch auf die umliegenden Bergdörfchen bieten. Nicht umsonst tummeln sich hier vor allem in nachts und am Wochenende Roms Jugendliche und Junggebliebene und so einige junge Verliebte – es ist einfach unheimlich romantisch.

Die besten Viertel in Rom für einen Drink bei Nacht

Auch hier gilt wieder: Es gibt überall Lokale, aber in Rom und vermutlich auch in anderen Großstädten wechselt alle paar Jahre das Viertel, das gerade für eine Bar-Tour angesagt ist. Hier eine Liste für Nachtschwärmer, Junggesellenabschiede, Kontaktfreudige & Schlaflose.

Anmerkung: Ab 23 Uhr ist seit neuestem in Rom Schicht im Schacht und man darf keinen Alkohol mehr in der Öffentlichkeit trinken, es sei denn man befindet sich auf der Terrasse einer Bar bzw. eines Restaurants. Wenn der Ordnungsbeamte dich nach 23 Uhr draußen mit einem Bier in der Hand erwischt, wird es teuer. Auch am Wochenende. Rom bei Nacht anschauen ja, aber nicht mit einem Drink in der Hand.

Die angesagtesten Viertel fürs Nachtleben in Rom:

  • Trastevere: Das wohl romantischste aller Viertel verwandelt sich Nachts in eines der Liebligsziele für Nachtschwärmer. Besonders beliebt in Rom bei Nacht auch bei Erasmus-Studenten und für Junggesellenabschiede. Hier bist Du sicher nicht alleine unterwegs. Wenn Du Glück hast, siehst Du auch eine der Vorstellungen von „Mago Guarda„, einem Wandermagier, der mittlerweile zur Institution geworden und sehr oft abends in Trastevere unterwegs ist 🙂 Ich freue mich immer riesig, wenn ich ihn sehe. Einfach Kult! Ansonsten, die Lieblingsbar für abends ist nun Geschichte, da es dort nicht mehr gemütlich zugeht (dank der Bürgermeisterin). Die Bar ist dermaßen beliebt bei den Römern, dass es darüber sogar eine Doku gibt. Seit den neuen Regelungen heißt es ab 23 Uhr: Stühle und Tische kommen weg, alle Gäste die noch etwas trinken wollen müssen sich auf die Terrasse quetschen und im Stehen und mit angewinkelten Armen ihren Drink schlürfen. Armes Rom. Zum Ausweichen gibt es natürlich tausende anderer Bars. Trastevere ist meines Wissens das einzige Viertel mit „Movida“ in dem es keine Diskothek gibt. Dazu schwingt man sich dann ins Taxi, oder geht zu Fuß, zum Beispiel nach Testaccio.
  • Monti: Dieses Viertel ist erst seit ein paar Jahren im Visier der Nachtschwärmer. Zwischen Termini und dem Kolosseum gelegen ist es gut erreichbar und bietet sowohl Einiges für Studenten als auch für Leute, die schon mit der Uni fertig sind. Die meisten Bars sind sehr schick und ich habe den Eindruck, auch etwas teurer vom Preis. Aber vielleicht ist das Ansichtssache. Wer alternativ, aber schon etwas „gesetzter“ unterwegs ist, sollte sich hier wohlfühlen.
  • Pigneto: Als ich das erste Mal im Pigneto unterwegs war (10 Jahre her), waren hier kaum Bars vorhanden. Ja, man befand sich fast auf dem Dorf, so ländlich kam es einem damals vor. Auf einen Schlag entschied die römische Jugend, dass dieses das neue In-Viertel werden soll und die Bars schossen förmlich aus dem Boden. Der Pigneto ist ein Juwel, das wohl Seinesgleichen sucht. Nicht, weil die Bars dort toller als woanders wären, sondern wegen seiner Einfachheit. Es ist das arme Rom von einst, das nicht nur, aber vor allem der Regisseur Pasolini so liebten, wegen der einfachen Leute. Eine ganz besondere Stimmung liegt hier in der Luft. Ein einziges historisches Lokal, das schon seit 1924 in diesem Viertel gibt, ist Necci. Dem aktuellen Hype folgten natürlich auch die angehobenen Preise, nichtsdestotrotz ist es ein Erlebnis bei Necci zum Aperitivo oder mittlerweile auch zum Abendessen einen Platz im schönen Garten zu genießen. Auch für den Gaumen zu empfehlen. In diesem Viertel lag auch DER Veranstaltungsort Nummer Eins, was Konzerte anging: der Circolo degli Artisti. Dieser wurde vor ein paar Jahren von der Stadtverwaltung geschlossen – ein Stich ins Herz der Römer. Tanzen kann man trotzdem noch gehen, im Hula Hoop zum Beispiel.
  • San Lorenzo: das wohl studentischste aller Viertel, nicht nur wegen der Nähe zu vielen Unigebäuden. Hier gibt es die abgewracktesten, „alternativsten“ Bars in ganz Rom – mochte ich damals sehr, bin heute wohl zu alt dafür geworden. Dort finden sich auch kleine Diskotheken und im Sommer ein großes Areal mit Livemusik, das „San Lorenzo Estate“.

Welche Zonen Du nachts in Rom vermeiden solltest

Rom hat ein Kriminalitätsproblem, das immer größer zu werden scheint. Dies betrifft nachts in letzter Zeit auch immer öfter Frauen und Mädchen, die im Dunkeln alleine unterwegs waren. Ich erspare Dir die traurigen Details, die Du dir selbst „ergoogeln“ kannst. Wichtig ist wie gesagt, nicht alleine unterwegs zu sein, nicht in illegale Taxis einzusteigen und sich niemandem anzuvertrauen, den man gerade erst in der Disco kennen gelernt hat. Sollte eigentlich selbstverständlich sein. Auch solltest Du es vermeiden alleine die Nachtbusse zu nehmen. Die folgenden Zonen sind nachts sogar schon meinem männlichen Bekanntenkreis unheimlich und sollten zumindest ab Mitternacht vermieden werden – vor allem von Frauen. Wenn ich das schon sage, weißt Du wahrscheinlich auch worum es geht.:

  • Termini: sobald Du aus dem Bahnhof herauskommst (obwohl es drinnen auch nicht so viel besser bestellt ist), ist mittlerweile Niemandsland. Zu vergleichen mit Mailand, dessen Hauptbahnhof das gleiche Schicksal teilt. Halte dich dort nicht unnötig auf und stelle dich lieber in die Schlange für ein Taxi.
  • Piazza Vittorio Emanuele: Diese Piazza war einst die eleganteste Piazza in ganz Rom, mit schicken und teuren Geschäften und edlen Bars. Heute ist sie ein hässlicher Schatten seiner selbst geworden, an dem der Zahn der Zeit nagt. Der schöne runde Säulengang zerfällt immer mehr in Einzelteile. Exakt nach der „Broken Window Theorie“ zieht der Zerfall die Kriminalität an. Selbst am hellichten Tag gab es dort jüngst unschöne Szenen zu sehen.
  • Sämtliche Parks und Grünflächen, auch wenn du „nur“ eine Abkürzung nehmen willst und der Park im historischen Zentrum nur ein paar Meter neben dem Kolosseum liegt. Gilt in letzter Zeit übrigens auch schon fast für tagsüber, wie die jüngsten Ereignisse nahelegen.

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