Schneeflöckchen – Weißröckchen…

Da es gerade so heiß und schwül ist, benötige ich mal eine kleine Abkühlung in Form eines eisigen Artikels. Manche werden sich fragen: „was hat Schnee mit Rom zu tun??“. Das ist schnell erklärt. Anfang Februar wurde die Stadt vom schon lange im Wetterbericht angekündigten Schnee „überrascht“. Viele haben diesen wohl nicht ernst genommen, allen voran der auf der römischen Beliebtheitsskala mittlerweile ganz unten angelangte Bürgermeister Gianni Alemanno. Es wurde sich folgerichtig weder um Streusalz, noch um Rollsplit oder Ähnliches gekümmert, es war schlichtweg nichts da. Auch ein Räumfahrzeug ist mir in dieser Zeit zumindest nicht unter die Augen gekommen. Positiv vermerken möchte ich den Fleiß der städtischen Stadtreiniger, die an wichtigen Plätzen geschippt haben als gäbe es kein Morgen.

Nachdem Alemanno dann mit Schrecken festgestellt hat, dass die Römer nur ohnehin schon abgefahrene Sommerreifen auf ihren stets ein wenig ramponierten Autos aufgezogen haben, tat er etwas, worüber sich Nordeuropäer (das fängt hier in Mailand schon an!) königlich amüsierten. Er rief einen „Notstand“ aus, Leute, einen Notstand!! Wegen drei Flocken Schnee. Auch war auf einmal Schneekettenpflicht angesagt. Das dies eine intelligente Maßnahme sein kann, überlegte ich mir eines Nachts. Schneeketten zu benutzen auf einer nur minimalen Schneeschicht und ohnehin schon so vielen und großen Löchern in den Straßen, dass man munkelt, es seien schon ganze Fiat Cinquecento darin verschwunden, könnte sich als eine Art Schmirgelpapiereffekt erweisen. So haben die Römer mit ihren Schneeketten gleich ein paar Löcher einfach weggeschmirgelt.. genial. Die Preise für derartige Autoausstaffierung stiegen im Übrigen über Nacht von ca. 25 auf ca. 100 Euro, wie mir Auto fahrende Arbeitskollegen berichteten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Manche Italiener übertreiben auch manchmal klischeegerecht gerne.  In den Supermärkten bildeten sich daher nie dagewesene lange Schlangen vor den Kassen, fast als würde man sich auf einen Krieg oder eine Naturkatastrophe vorbereiten. Die Regale waren teilweise regelrecht leergefegt, was teils an den panischen Kunden, teils an den ausbleibenden oder verspäteten Warenlieferungen lag.

leeres Supermarktregal

leeres Supermarktregal

In den Tageszeitungen war des weiteren zu lesen, dass Herr Bürgermeister dazu aufrief, wegen der momentanen Wetterlage doch möglichst das Haus nicht zu verlassen. Klar! Auf Bürgersteigen, die aufgrund geschmolzenen und wieder über Nacht gefrorenen Schnees zur Rutschbahn geworden sind, bricht man sich nun mal gerne die Beine. Dass man da als Bürgermeister, der sich als Opfer des Chaos und nicht als Mithelfer ansieht, ins Schwitzen gerät, ist nachvollziehbar. Man stelle sich die nicht aufhörende Flut der Anklagen gegen die Stadt Rom vor. Alemanno hat sich da vielleicht auch ins Gedächtnis gerufen, dass es allein in Rom mehr Anwälte gibt als in ganz Frankreich (Quelle: Corriere della Sera).

Die Kinder störte das alles wiederum herzlich wenig. Sie kümmerte nicht, dass fast keine Busse fuhren, die Tram nur im Schneckentempo und die Metro nur unregelmäßig, dafür aber vollgestopft bis obenhin mit Leuten, in die Haltestellen einfuhr. Familien kramten Schlitten aus der Rumpelkammer, von denen sie gar nichts wussten, und nutzten die kleinen, aber steilen Hügel des Circus Maximus zum Schlittenfahren. Der Platz um das Kolosseum herum verwandelte sich in eine Schneeballschlacht, man sah überall Schneemänner… eine unterhaltsame, surreale Situation.

römischer Schneemann

römischer Schneemann

Hier zuguterletzt noch ein paar wirklich schöne Bilder in Vogelperspektive aus besagten Tagen, bereitgestellt von der „Repubblica“: Bildergalerie

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