Turin Städtetrip: Was sehen, was probieren?

Turin ist eine uralte Stadt voller Geschichte, wunderbar anzusehen und günstig gelegen für diejenigen die aus der Schweiz, Österreich oder Deutschland anreisen. Sie ist die viertgrößte Stadt in Italien, nach Rom, Mailand und Neapel. Wir haben sie uns für eine Woche angesehen und ich muss sagen: es hat meine Erwartungen übertroffen! Was Du unbedingt sehen solltest wenn Du in Turin bist erfährst Du hier!

Fußball: Juve oder Toro?

Egal ob Du dich für Fußball interessierst oder weniger, ein Fußballspiel im Allianz Stadium von Juventus Turin live mitzuerleben ist einfach ein Erlebnis, ja fast wie eine Show. Seitdem Ronaldo bei Juve spielt hast Du noch einen Grund mehr für einen Besuch. Es ist selbst für einen Laien beeindruckend wie er um den Ball herumtänzelt!

Anfang des Fußballspiels Juventus Turin – Sampdoria am 29.12.2018

Gerechterweise muss man sagen: die Turiner selbst gehören eher dem Fußballverein Torino FC an, weniger Juventus Turin. Juve ist allerdings die erfolgreichere Mannschaft und daher sehr viel bekannter. Eine Stadt, zwei Mannschaften. Da ist Rivalität vorprogrammiert 🙂

Die turiner Cafékultur

Turin ist wohl neben Wien die Stadt mit den meisten historischen Cafés. Überall im Zentrum finden sich ein- oder mehrstöckige prachtvoll mit goldenem Prunk, Brokattapeten und wertvollen Gemälden ausgestattete Cafés, die jeden Aufenthalt zum einmaligen Erlebnis machen.

Spezialitäten der turiner Cafés

Wer nach Turin fährt, sollte auf jeden Fall diese typischen turiner Spezialitäten probieren. Im Piemont scheint Schokolade seit Jahrhunderten hoch im Trend zu sein!

  • Bicerin: Der Name „bicerin“ kommt von „bicchierino“ (Gläschen) und bezeichnet ein typisches turiner Getränk bestehend aus Kaffee, Schokolade, Milchcreme (oder Sahne) und einem Schuss Sirup.
Ein typisches bicerin. CC 2.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bicerin.jpg
  • Cioccolata calda: Heiße Schokolade kennt jeder, aber in den turiner Cafés wird sie auf einem ganz anderen Niveau produziert. Cremig, heiß und auf Wunsch mit einer unglaublich leckeren Sahnehaube wird sie serviert.
heiße Schokolade in Turin
  • Gianduja und Gianduiotto: Die Turiner Schokoladenpassion hat eine jahrhundertelange Tradition! Eine hiesige Erfindung, die mittlerweile mein persönlicher Naschfavorit ist, ist die Gianduja. Sie soll im Jahre 1806 erfunden worden sein und ist eine Art Nusscreme aus getoasteten piemontesischen Nüssen der Sorte „Tonda Gentile delle Langhe“ mit einem Teil Kakao darin. Sozusagen Nutella, nur viel besser ;-). Die streichbare Form existiert auch als Praline, die Gianduiotto genannt wird. Mein Favorit! Praline auspacken und langsam im Mund zergehen lassen!
so sieht ein typisches gianduiotto aus

Ein paar historische Cafés in Turin:

  • Caffè Confetteria Al Bicerin in der Piazza della Consolata, eröffnet im Jahr 1793. Nach diesem Café ist das berühmte turiner Getränk „bicerin“ benannt. Häufig musst Du hier Schlange stehen, aber wie sagt man: gut Ding will Weile haben.
Das historische Cafe Al Bicerin in Turin
  • Caffè San Carlo in der zentralen Piazza San Carlo, eröffnet im Jahr 1822. Einer der Lieblingsorte der damaligen Intellektuellen des Risorgimento und berühmt vor allem für seine exklusiven Kaffeemischungen. Genieße deinen Kaffee in feiner Porzellantasse und mach es dir bequem zwischen Stuck, Marmorstatuen, Brokat und vielen vergoldeten Details.
Außenansicht des Cafe San Carlo in der Piazza San Carlo in Turin
  • Caffè confetteria Baratti & Milano in der Galleria Subalpina, eröffnet im Jahr 1875. Dieses Café ist berühmt für die „beste heiße Schokolade“ Turins und darf stolz von sich behaupten, Schokoladenlieferant für den Hof der Savoyer gewesen zu sein.
Das Cafe Baratti e Milano, Außenansicht

Der Liberty-Stil

Der Liberty-Stil des 18. Jahrhunderts ist überall in Italien ein bißchen zu finden, aber Turin ist die Stadt, in der man diesen wunderbaren Stil der Belle Epoque heute noch in großem Ausmaß bewundern kann. Überall findet man ihn: An den Häuserfassaden, in den Galerien und in den Details der antiken Cafés der piemontesischen Hauptstadt.

Wenn auch Du ein Fan dieses Stils bist, folge diesem Link – hier findest Du eine Stadtkarte von Turin von Gebäuden im Liberty-Stil.

der turiner Liberty-Stil spiegelt sich z.B. in der Gestaltung des Café Baratti e Milano wider.

Die Gebäude der Savoyer

Turin ist heute die Hauptstadt des Piemont. Für circa drei Jahrhunderte, ab dem Jahr 1563, war die Stadt von den Savoyern regiert und trug den Titel Hauptstadt von Savoyen und Piemont. Erst als Herzogtum, dann ab 1720 als Königreich, wurde die Region und vor allem die Stadt Turin immer prunkvoller. Die Gebäude der Savoyer gehören heute zum Unesco Weltkulturerbe und können alle auch von innen besichtigt werden, vor allem da sie alle heute als Museum genutzt werden.

Die bekanntesten Gebäude der Savoyerzeit in Turin sind:

  • Il Palazzo Reale (der Königspalast), mitsamt französischem Garten: das Stadtschloss der Savoyer. Mehr Prunk geht nicht, ich empfehle dir es einfach mal selbst zu besuchen!
  • Palazzo Madama: Dieser Palast hat seinen Namen durch den Zweck, den er zur Zeit der Savoyer erfüllte, erhalten: hier befanden sich die Wohnräume der königlichen Damen Cristina von Frankreich und Maria Johanna von Savoyen. Der Palast ist charakterisiert durch die Verschiedenheit seiner Vorder-und Rückseiten, wie man auf den Bildern erkennen kann.
  • Palazzo Carignano: der erste Sitz des Parlaments des ersten Königreichs Italiens. Heute beherbergt der Palast das Museum des Risorgimento (der Vereinigung Italiens) mitsamt vollständig erhaltenem damaligem Parlament. Ganz ungewöhnlich ist die Fassade mit ihren vielen schwunghaften Linien und den Mauern komplett aus rotem Ziegelstein.

Die turiner Küche!

Gib es zu, darauf hast Du gewartet 🙂 Die turiner Küche hat uns tatsächlich überzeugt und ich kann sie dir nur wärmstens empfehlen! Wie üblich haben es Vegetarier schwer etwas aus der traditionellen Küche zu probieren. Hier ein paar typische Gerichte aus Turin:

  • brasato di vitello (Kalbsfleisch mit einer Bratensoße gewürzt mit Zimt und Nelken)
  • vitello tonnato (dünne Kalbsbratenscheiben mit Soße aus Thunfisch und Kapern).
  • agnolotti torinesi con ragù bianco piemontese (Agnolotti sind gefüllte Nudeln mit Schweinefleisch, gebratenem Kalbsfleisch und Hirn, ragù bianco ist mit Weißwein gemachte Hackfleischsoße)
  • farinata di ceci (eine Art Pfannkuchen aus Kichererbsenmehl)
  • tartare di manzo (Rindfleischtartar)
  • bonet (Schokopudding mit Rum und Amaretti)

Auch der Wein aus dem Piemont kann sich sehen lassen! In Turin bekommt man eine große Auswahl an Wein aus der Rebsorte Barbera. Der beste Wein den ich dort probiert habe? Bricco Fioré Barbera d’Asti Superiore 2016!

Das Turiner Grabtuch

Der Dom in Turin, San Giovanni Battista (Johannes dem Täufer) gewidmet, beherbergt das berühmte Turiner Grabtuch: Darin soll Jesus nach der Kreuzigung eingewickelt worden sein. Für Gläubige ist der Besuch ein absolutes Muss, aber auch für Neugierige ist es sicher einen Gedanken wert.

Gleich vorweg: man sieht das Tuch direkt nicht: es ist hinter einer Glasscheibe geschützt und bedeckt von einem Laken und einem weichen roten Tuch.

In der Stadt gibt es auch ein Museum das der Geschichte des Tuchs gewidmet ist.

Die Mole Antonelliana

Die Mole Antonelliana ist ein Bau aus dem Jahre 1848 der im Laufe der Jahre immer wieder sehr verändert wurde. Ursprünglich war die Mole als Synagoge gedacht. Durch die vielen architektonischen Probleme und die zusätzlichen Kosten die dadurch entstanden waren, zog die jüdische Gemeinde allerdings Jahre später in eine andere Synagoge um.

Heute beherbergt der mittlerweile 167,5 Meter hohe Turm das nationale Filmmuseum, sowie einen Aufzug mit dem man hinauffahren und einen atemberaubenden Ausblick auf die Stadt und die Alpen genießen kann.

Die Mole ist heute das Symbol von Turin und wird je nach festlichem Anlass immer wieder verschieden geschmückt und beleuchtet. Als wir die Stadt besuchten, konnten wir die blaue Weihnachtsbeleuchtung sowie die glitzernde Silvesterbeleuchtung bestaunen.

Turins prächtige Galerien

Die herrschaftliche Erscheinung Turins wird nicht nur durch die Bauten der Savoyer, sondern auch durch die wunderbaren Galerien geprägt. Zwei davon sind besonders prächtig:

  • Die Galleria dell’industria Subalpina (kurz: Galleria Subalpina). Hier befindet sich auch das bekannte Cafe Baratti e Milano.
  • Die Galleria San Federico, in den 30er Jahren erbaut. Mein Favorit!

Piazza San Carlo

Die Piazza San Carlo ist eine der größten und bekanntesten Turins und darf daher einfach nicht fehlen 🙂 Sie wird von den Einwohnern liebevoll „il salotto di Torino“ genannt, also „das Wohnzimmer Turins„. Seit den XX. Olympischen Winterspielen ist die Piazza hundertprozentige Fußgängerzone.

Sie hatte schon viele Namen im Laufe der Zeit, unter anderem Piazza Reale, Piazza delle Armi und während der kurzen Besatzung durch Napoleon auch Place Napoléon.

Wie man sieht, stand der Weihnachtsbaum noch in der Piazza während unseres Urlaubs.

Piazza San Carlo in Turin

Das ägyptische Museum

Nebst dem Automuseum, dem Filmmuseum, dem des Risorgimento und vielen anderen mehr zieht es viele Turisten vor allem wegen dem ägyptischen Museum nach Turin. Es steht hier an letzter Stelle, da es eigentlich nichts direkt mit der Geschichte der Stadt zu tun hat, sondern mit der Ägyptens.

Das ägyptische Museum ist, direkt nach dem in Kairo, das zweitgrößte Museum in diesem Fachbereich und genießt Weltruhm und eine Flut von jährlich circa 800.000 Besuchern. Es befindet sich im Palazzo dell’Accademia delle Scienze.

Wir waren leider nicht drin: die Besucherschlangen zwischen Weihnachten und Neujahr waren vergleichbar mit denen des Vatikans in Rom. Da haben wir lieber andere Dinge vorgezogen. Generell solltest Du wohl tatsächlich ein bißchen Zeit für den Besuch dieses Museums einplanen.

Turin hat uns tatsächlich so gut gefallen, dass wir sehr gerne wiederkommen werden! Ich hoffe, Du hast den Artikel genossen und findest auch einmal ein Wochenende Zeit für diese wunderbare Stadt!

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