Weihnachten auf der Insel

Ponza ist etwas ganz Besonderes – eigentlich zu jeder Jahreszeit und in jedwedem Sinne. Die vulkanische Insel ist im Sommer meist rappelvoll, während außerhalb der Juli/August Saison und im Frühling sich kaum eine Menschenseele darauf verirrt. Dieses Mal hatte ich das Vergnügen, Weihnachten bei der Familie meines Freundes zu verbringen, das war die Gelegenheit, sich Ponza im Winter mal näher anzusehen.

Wir nahmen die übliche Bahntrasse von Rom nach Formia, um dort auf die Fähre umzusteigen. Wie man nach Ponza kommt, habe ich ja schon ausführlich im letzten Bericht erklärt. Diesmal bescherte der frühe Sonnenuntergang uns wunderschöne Farben vom Hafen in Formia, ein schöner Einklang.

Sonnenuntergang Formia

Sonnenuntergang Formia

Noch war ich auch bester Laune, was sich schon nach 10 Minuten Fahrt auf der Fähre schlagartig änderte. Da mein Liebster dachte, ich würde schlafen (in der Tat hatte ich es versucht..) und die anderen „ponzesi“ begrüßte und hier und da tratschte, schleppte mich ersatzweise seine Schwester seekrank nach draußen, bewaffnet mit einer Packung Kekse, was angeblich dem Magen helfen soll, sich zu stabilisieren. Auf der Terrasse der Fähre war es natürlich saumäßig kalt, aber der frische Wind tut gut und ich erholte mich recht schnell, musste aber mit den hochgelegten Beinen auf der Bank bleiben. Die Atmosphäre war im Grunde genommen ziemlich witzig, denn es waren nur noch zwei andere vor Kälte zitternde Frauen draußen, die offensichtlich noch schlimmer seekrank waren als ich. Eine der beiden Bröckchen lachenden Damen hatte einen kleinen Hund dabei, der vor Angst (wahrscheinlich um sein Frauchen) fast gestorben wäre. Die Stimmung war der eines ärztlichen Wartezimmers zum Verwechseln ähnlich.Den ersten Fuß ans sichere Land gesetzt, war alles vergessen und ich konnte Ponza im.. naja.. „Winter“.. bestaunen.

Im Gegensatz zu den sommerlichen Tagen war ganz einfach nichts, aber auch gar nichts los und kaum jemand unterwegs. Fast schon unheimlich wirkten die normal bis nervig (Letzteres kommt in Italien öfter vor) blinkenden Lichter der häuslichen Weihnachtsdekorationen – wie in einem Western, in dem man zwar die Werbung einer Spelunke sieht, aber nur noch Staubwolken statt Kutschen über die Straße rollen. Auch auf einer Insel merkt man im Übrigen die Krise. Sogar die beiden Weihnachtsbäume vor den Kirchen in Ponza und in Le Forna sind aus recycelbaren Plastikflaschen gestaltet worden. Ich muss zugeben, dass sie mir recht gut gefallen haben, nicht nur weil die Idee dahinter klasse ist. Das Foto beweist: auch ohne Kohle lassen sich tolle Sachen basteln.

weihnachtsbaum le forna

Weihnachtsbaum in Le Forna

In der Kirche fand sich jedoch eine rieeeesige Krippe, die nicht nur die Weihnachtsszenerie darstellte, sondern eine komplette Nachbildung von Ponza sowie Palmarola ist und die halbe Kirche flächenmäßig einnimmt. Auch an indirekter Kritik am Bürgermeister sparte man nicht in der Nachbildung. Überall befanden sich Miniaturschilder, die vor Felssturz warnen, und marode Bauten prägten die Landschaft.

Krippe "pericolo"

Krippe „pericolo“

Krippenszene

Krippenszene

Das Klima in wohl ziemlich allen Häusern zu dieser Jahreszeit ist eher feucht-kalt, was nicht wirklich angenehm ist. Die Familienkatze hält sich im Moment auch lieber im Schrank zwischen Decken und Schals auf als in der Wohnung rumzustreunern.  Auch draußen war es wärmer als drinnen, weshalb ich allen auf die Nerven ging, mit mir spazieren zu gehen, was ich auch ein paar Mal schaffte. Hehe. Vor allem der Spaziergang zum „forte di papa„, eine alte kleine Burg, die den Namen Ihrer Lage in Richtung Vatikan verdankt, war wirklich schön.

forte di papa

forte di papa

Sonnenuntergang Ponza

Sonnenuntergang Ponza

Leider kann man nur noch ganz bis zur Burg hochgehen, wenn man absolut schwindelfrei ist, denn von den Wegen auf dem Felsvorsprung, auf dem die Ruine situiert ist, bröckelt immer mehr ab, weshalb er schon recht eng geworden ist. Ich blieb also lieber unten und fotografierte das alte Gemäuer von weitem im Sonnenuntergang.

Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten, denn wie wohl in jedem Land tut man an Weihnachten nur eins: essen. Die Speisekarte von Mamma Raffaella war voller Fisch und Meeresfrüchte, kurz, einfach super!

Der Rückweg auf hoher See war viel unterhaltsamer als der Hinweg. Ich nahm das viel schnellere „aliscafo„, was erstens viel kleiner ist als die Fähre und vor allem eine Rundumsicht dank der großen Fenster bietet – optimal für eine, die nicht seekrank wird, solange sie alles sehen kann. Da „onda lunga„, also lange Welle war, war das Meer zwar doch etwas bewegter als sonst, aber dafür hat es wenigstens auch richtig Spaß gemacht, der Naturgewalt Wasser zuzusehen.

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